bedeckt München 12°
vgwortpixel

Aufstand in Ägypten:Der Islam in Ägypten hat viele Gesichter

Mit den Muslimbrüdern, die als Partei illegal sind, aber sogenannte unabhängige Abgeordnete stellen durften, spielte Mubarak Katz und Maus. Er ließ sie in Massen in die Gefängnisse werfen - und trieb mit brutaler Repression den Islamisten neue Anhänger zu. Gleichzeitig konnte er bei der Bestellung von US-Material auf die Bedrohung durch die frommen Fundamentalisten verweisen.

Ägypten: "Marsch der Million"

Die Hoffnung ruht auf der Straße

Der Islam hat in Ägypten viele Gesichter. Auch die Muslimbrüder sind gespalten in radikale und eher gemäßigte Kräfte. Ohne sie aber wird ein demokratischer Neuanfang nicht möglich sein, denn sie sind Teil der vielschichtigen ägyptischen Gesellschaft. ElBaradei war in dieser Gesellschaft bislang ein Außenseiter. Der im Westen geschätzte Ex-Chef der Wiener Atomenergiebehörde hat lange im Ausland gelebt. Mubarak aber erkannte rasch, dass ElBaradei ihm gefährlich werden könnte. Deshalb wollte er ihn mit allen Mitteln von einer Präsidentschaftskandidatur abhalten.

Nun aber werden die Karten in Kairo neu gemischt werden. ElBaradei könnte zu einer Führungsfigur werden, schon weil es wenig andere herausragende Persönlichkeiten gibt, die dem Protest Stimme und Gesicht geben. Die lange geknechteten Parteien verschiedener Couleur müssen sich erst neu sortieren. Und die Muslimbrüder stehen zunächst einmal in zweiter Reihe, weil sie wissen, dass einer der ihren als Präsident Ägyptens nicht mehrheitsfähig wäre.

Bleibt der starke Mann des alten Systems: Ex-Geheimdienstchef und nun Vizepräsident Omar Suleiman. Bei einer freien Wahl wären auch seine Chancen zweifelhaft. Ihm bleibt nur, den Übergang in ein demokratisches Ägypten mitzuorganisieren. Mubarak hat er schon gesagt, dass seine Zeit vorbei ist.