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Aufstand im Jemen:Top-General läuft über

Es wird einsam um Jemens Herrscher: General al-Ahmar, bislang einer der wichtigsten Verbündeten von Präsident Salih, hat sich den Aufständischen angeschlossen. Er ist nicht der einzige Abtrünnige. Der unter Druck geratene Herrscher denkt inzwischen offenbar an Rücktritt.

Nachdem im Zuge der anhaltenden regierungskritischen Proteste im Jemen bereits ranghohe Politiker und Armeeangehörige zurückgetreten waren, verliert der Präsident Ali Abdullah Salih nun einen seiner wichtigsten Verbündeten: General Ali Mohsen al-Ahmar erklärte an diesem Montag seine Solidarität mit den Demonstranten.

Anti-government protests in Yemen

Im Zuge der anhaltenden regierungskritischen Proteste im Jemen sind bereits zahlreiche ranghohe Politiker und Armeeangehörige zu den Demonstranten übergelaufen.

(Foto: dpa)

Er unterstütze die friedliche Revolte der Jugendlichen, sagte der Top-Militär in einer vom arabischen Sender al-Dschasira ausgestrahlten Fernsehansprache. Al-Ahmar, der wie Salih aus einem der einflussreichsten Stämme des Landes stammt und die 1. Panzerdivision der Armee kommandiert, warf dem Präsidenten vor, die "friedlichen Demonstranten niederzuschlagen" und das "Land an den Rand eines Bürgerkriegs zu drängen". Es handelt sich um den ersten Offizier dieses Rangs, der seit Beginn der Proteste Ende Januar abtrünnig wurde.

Panzer vor dem Präsidentenpalast

Ein Beamter des Außenministeriums in der Hauptstadt Sanaa bestätigte, al-Ahmar habe sich dafür entschieden, die Aufständischen zu schützen, mit deren Zielen er sympathisiere. Auch die meisten Offiziere seiner Einheit stünden nun auf Seiten der Demonstranten, hieß es aus dem Ministerium.

Als Reaktion auf die Ankündigung al-Ahmars fuhren Panzer in Sanaa auf und postierten sich vor dem Präsidentenpalast, wie ein AFP-Korrespondent berichtete. Weitere Panzer fuhren vor dem Verteidigungsministerium und der Zentralbank vor.

Einem ranghohen Oppositionsführer zufolge, der nicht namentlich genannt werden wollte, diskutierte Salih bereits mit Getreuen über einen möglichen Rücktritt. Eine Option sei die Übergabe der Macht an einen Militärrat, der das Land bis zu Präsidentschafts- und Parlamentswahlen führen könnte. Möglicherweise, so der Informant, sei in den nächsten 48 Stunden ein Durchbruch zu erwarten.

Dessen ungeachtet hat sich Salih laut der staatlichen Nachrichtenagentur Saba vor ausgewählten Zuhörern überzeugt gezeigt, die Bevölkerung des Landes weiter hinter sich zu haben. "Die große Mehrheit des jemenitischen Volks unterstützt die Sicherheit, die Stabilität und die Verfassungsvorgaben. Diejenigen, die zum Chaos, zur Gewalt, zum Hass und zur Sabotage aufrufen, sind nur eine winzige Minderheit", sagte der Präsident.

Der abtrünnige General Al-Ahmar, der in den vergangenen Jahren mehrere Offensiven gegen die schiitischen Houthi-Rebellen im Nordwesten des Jemen befehligt hatte, soll gute Kontakte zum Herrscherhaus des Nachbarlandes Saudi-Arabien pflegen. Seit zwei Jahren berichten Insider über eine Rivalität zwischen dem General, der bereits zahlreiche Attentatsversuche überlebt hat, und Ahmed Salih, einem Sohn des Präsidenten. Ahmed Salih ist Kommandeur der Republikanischen Garde.

Laut Informationen aus dem Verteidigungsministerium ist zudem ein weiterer hochrangiger Militär zu den Rebellen übergelaufen: Mohammed Ali Mohsen, der Kommandeur der westlichen Region, soll sich ebenfalls der pro-demokratischen Bewegung angeschlossen haben.

Auch der Gouverneur der zweitgrößten Stadt Aden möchte nicht weitermachen: Ahmed Kaatabi, erklärte seinen Rücktritt. Das Büro Kaatabis erklärte, mit seinem Schritt wolle der Gouverneur gegen die Ereignisse im Land protestieren. Am Samstag hatten regimetreue Bewaffnete in Sanaa 52 Oppositionsanhänger erschossen und 126 weitere verletzt. Salih hatte daraufhin die Regierung entlassen, auch um damit einem Massenrücktritt von Kabinettsmitgliedern zuvorzukommen, die das blutige Vorgehen gegen Regierungskritiker missbilligen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte nun die tödlichen Schüsse auf die Demonstranten. Die jemenitische Regierung habe die Aufgabe, Zivilisten zu schützen, sagte Ban bei einem Besuch in Kairo. Er rief zu maximaler Zurückhaltung und einem Ende der Gewalt auf. Es gebe keine Alternative zu einem umfassenden Dialog hinsichtlich politischer, sozialer und wirtschaftlicher Reformen, um die politische Krise zu lösen.

© dpa/AFP/jobr/odg/olkl
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