Aufstand gegen das Assad-Regime Türkei schließt Grenzübergänge zu Syrien

In Syrien wird erbittert gekämpft, Regierungstruppen und Rebellen liefern sich heftige Gefechte in der Millionenstadt Aleppo. Die Türkei will ihre Bevölkerung vor der Gewalt im Nachbarland schützen - und schließt die letzten drei offenen Grenzübergänge. Auch die UN reagieren auf die immer bedrohlichere Lage.

Die Eskalation der Gewalt in Syrien beunruhigt auch dessen Nachbarstaaten: Aus "Sicherheitsgründen" und zum Schutz der türkischen Bevölkerung will die Türkei bis auf Weiteres alle noch offenen Grenzübergänge zu Syrien schließen. Die Wiedereröffnung hänge von der weiteren Entwicklung ab, sage ein türkischer Behördensprecher.

An der 900 Kilometer langen Grenze der Türkei zu Syrien gibt es 13 Grenzübergänge, am Mittwoch sollten die letzten drei noch offenen Übergänge geschlossen werden. Damit wird insbesondere der Warenhandel zwischen den beiden Staaten unterbunden. Flüchtlinge aus Syrien gelangen über Schleuserrouten in die Türkei. Lastwagen, die Syrien nur als Transitland nutzen wollten, dürften weiterhin passieren, sagte Wirtschaftsminister Zafer Caglayan. Ausnahmen gebe es auch für Lastwagen aus Syrien, die Güter zur Versorgung der Bevölkerung aus der Türkei holen wollten.

Heftige Kämpfe an den Grenzposten

An den Grenzposten auf syrischer Seite hatte es in den vergangenen Tagen heftige Kämpfe zwischen Rebellen und der syrischen Armee gegeben. Am vergangenen Samstag hatten Angehörige der Freien Syrischen Armee 30 aus der Türkei kommende Lastwagen ausgeraubt und beschädigt. Neun Fahrzeuge wurden zudem in Brand gesteckt. Ähnlich angespannt war die Lage an mehreren Grenzübergängen zum Irak.

In Israel wächst unterdessen die Furcht, dass die Chemiewaffen des Assad-Regimes in falsche Hände gelangen könnten. Sollten chemische Kampfmittel in die Hände der islamistischen Hisbollah gelangen, sei sein Land zum Krieg bereit, sagte Israels Außenminister Avigdor Lieberman am Dienstag in Brüssel.

"In dem Moment, wo wir sehen, dass die Syrer chemische und biologische Waffen an die Hisbollah geben, ist das eine rote Linie für uns - und aus unserer Sicht ist das ein klarer Kriegsgrund." Sein Land hoffe für diesen Fall auf das Verständnis der internationalen Gemeinschaft. Auch Russland und die USA warnten Syrien vor dem Einsatz chemischer Kampfstoffe.

Auch die Vereinten Nationen reagierten auf die Ausweitung der Kämpfe in Syrien. Zwei UN-Beobachter in Damaskus sagten der Nachrichtenagentur, die UN habe die Hälfte ihrer 300 Beobachter aus dem Land abgezogen. 150 Mitglieder der Mission hätten Syrien am Dienstagabend und Mittwoch verlassen.

In den Metropolen Aleppo und Damaskus kämpfen Regierungstruppen die Aufständischen weiter mit rigoroser Härte. Ein Sprecher der Freien Syrischen Armee (FSA) sagte dem US-amerikanischen Fernsehsender CNN, das Regime habe etwa 2000 voll ausgerüstete Soldaten mit Panzern und Artillerie aus Idlib abgezogen und nach Aleppo in Marsch gesetzt. Die Aufständischen planten, diese Truppen anzugreifen.

In mehreren Bezirken Aleppos lieferten sich Regierungstruppen und Rebellen am Mittwoch heftige Gefechte. Umkämpft waren unter anderen das Einwohnermeldeamt und das lokale Hauptquartier der regierenden Baath-Partei, meldeten syrische Aktivisten. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London und Rebellen hatten bereits am Dienstag von schweren Gefechten in Teilen Aleppos berichtet.

Schwere Gefechte in Aleppo

In der Hauptstadt Damaskus beschossen Kampfhubschrauber das südliche Viertel Al-Hadschar al-Aswad, wie Aktivisten berichteten. Das Gebiet ist eine der letzten Hochburgen der Rebellen in Damaskus, die in den vergangenen Tagen von den Truppen des Assad-Regimes aus etlichen anderen Stadtvierteln verdrängt worden waren.

Oppositionellen und Anwohnern zufolge nahmen Regierungstruppen am Mittwoch zudem einen Vorort von Damaskus schwer unter Beschuss. Hunderte Familien aus al-Tel seien auf der Flucht, sagten Regierungsgegner. Bei dem nächtlichen Angriff auf den von Rebellen gehaltenen Ort nördlich von Damaskus mit rund 100.000 Einwohnern seien vermutlich Wohnhäuser getroffen worden. "Militärhubschrauber fliegen über der Stadt. Die Leute sind durch die Explosionen wach geworden und versuchen wegzukommen", sagte ein Oppositioneller am Telefon.