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Aufstand gegen Assad:Opposition will Deserteure der syrischen Armee bezahlen

Der Syrische Nationalrat kündigt an, kämpfenden Rebellen und Abtrünnigen der syrischen Armee einen Sold auszahlen zu wollen. Erste Gelder sollen bereits geflossen sein. Damit hofft die Opposition, das Regime von Präsident Assad zu demoralisieren. Mehrere Golfstaaten unterstützen die Maßnahme offenbar finanziell.

Die syrische Opposition will Rebellen, die gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad kämpfen, dafür bezahlen. Der Syrische Nationalrat (SNC) kündigte am Sonntag am Rande des Treffens der "Freunde Syriens" in Istanbul an, dass den Kämpfern der Freien Syrischen Armee ein Sold gezahlt werden solle, wie mehrere britische und US-amerikanische Medien übereinstimmend meldeten.

"Der Rat wird dafür sorgen, dass an alle Offiziere, Soldaten und aktiven Mitglieder des Widerstands in der Freien Syrischen Armee ein Sold gezahlt wird", sagte SNC-Präsident Burhan Ghalioun dem US-Nachrichtensender CNN. Die britische BBC und die New York Times berichten zudem, dass auch an Deserteure der syrischen Armee Geld gezahlt werden solle - als Anreiz, sich den Aufständischen anzuschließen.

Die Bezahlung der Rebellen könnte tatsächlich dazu beitragen, die Zahl der Überläufer anzuheben und "zur Demoralisierung des (Assad-)Regimes beitragen", sagte ein Teilnehmer der Istanbuler Konferenz CNN. Die Kosten für das Programm könnten Schätzungen zufolge in die Millionen gehen. Doch der Syrische Nationalrat kann sich hierbei offenbar auf Hilfe von außen stützen.

Mehrere Golfstaaten wollen den Kampf der oppositionellen Freien Syrischen Armee offenbar mit Millionen mitfinanzieren. Allein hundert Millionen Dollar seien den aufständischen Kämpfern für die kommenden drei Monate zugesagt worden, sagte das SNC-Mitglied Molham al-Drobi der New York Times am Sonntag in Istanbul. Nach Angaben der Zeitung stammt das Geld zum größten Teil aus Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Nationalrat als Vertreter des syrischen Volkes anerkannt

Saudi-Arabien tritt zudem für die Bewaffnung der syrischen Opposition ein, konnte sich bislang damit auf internationaler Bühne aber nicht durchsetzen. Es fließe bereits Geld an die Kämpfer, sagte al-Drobi. 500.000 Dollar seien allein in der vergangenen Woche verteilt worden, auf "einem Weg, den ich jetzt nicht offenlegen kann".

Die aus mehr als 60 Staaten bestehenden "Freunde Syriens" hatten den Nationalrat am Sonntag offiziell als legitime Vertretung des syrischen Volkes anerkannt - ein Schritt, der innerhalb der widerstreitenden oppositionellen Gruppen Syriens sicherlich nicht durchweg positiv aufgenommen werden dürfte.

SNC-Präsident Ghalioun hatte den Repräsentanten der "Freunde Syriens" zuvor versichert, dass seine Gruppierung nach einer demokratischen Regierung strebe, die weder religiöse noch ethnische Gruppen diskrimieren wolle und zudem Bürgerrechte für alle garantieren wolle.

Neue Gewalt in Syrien

In Syrien gehen die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Aufständischen unterdessen unvermindert weiter. In Homs lieferten sich reguläre Truppen und Deserteure nach Angaben von Regimegegnern heftige Gefechte. Die Kämpfe hätten sich auf das Viertel Dschaurat al-Schajah konzentriert, berichtete die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter. Weitere Stadtviertel seien von der Armee mit Artillerie beschossen worden.

Im Zentrum der Hauptstadt Damaskus zündeten Unbekannte nach Informationen aus Oppositionskreisen eine Bombe neben einer Polizeistation. Ein Polizist sei durch die Explosion am Al-Mardsche-Platz leicht verletzt worden, hieß es. Auch bei der Explosion einer Bombe in einem Kiosk in der Stadt Aleppo kam nach Angaben des in London ansässigen Syrische Observatoriums für Menschenrechte ein Mensch ums Leben.

In der Provinz Idlib töteten die Truppen des Regimes von Präsident Assad nach Angaben der Opposition fünf Deserteure und zwei Zivilisten. In der Provinz Daraa sollen bewaffnete Regimegegner zwei Soldaten getötet haben.

© Süddeutsche.de/dpa/gal/mkoh/holz

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