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Aufklärung der Neonazi-Morde:Verletzende Spekulationen, hilfreiche Aufregung

Das Bundeskriminalamt hat glaubwürdig Spekulationen dementiert, dass es den Staatsanwälten Erkenntnisse aus der Szene des Zwickauer Trios vorenthalten wollte. Die Behörde mögen diese Spekulationen verletzt und verärgert haben. Für die Aufklärung des gesamten Skandals könnte sich die Aufregung aber als durchaus hilfreich erweisen.

Der Vorwurf, Beweismittel vernichtet zu haben, wirkt in jedem Strafverfahren schwer. Im Fall der Zwickauer Zelle ist ein solcher Verdacht katastrophal, jedenfalls dann, wenn er Mitarbeiter von Sicherheitsbehörden trifft. Denn dass Polizei und Verfassungsschutz, die zehn Jahre lang die rechtsextremistischen Verbrechen nicht erkannten, nun auch noch versuchen könnten - aus welchen Gründen auch immer -, Informationen zu vertuschen, würde vielen das letzte Vertrauen in die Polizei bei der Aufklärung rechtsterroristischer Taten rauben.

Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, hat schnell, entschieden und glaubwürdig Spekulationen dementiert, dass seine Mitarbeiter den Staatsanwälten Erkenntnisse aus der mutmaßlichen Unterstützerszene des Zwickauer Trios vorenthalten wollten. Den BKA-Chef und seine Behörde mögen diese Spekulationen verletzt und verärgert haben. Für die Aufklärung des gesamten Skandals und seiner Hintergründe, die noch längst nicht abgeschlossen ist, könnte sich die Aufregung aber als durchaus hilfreich erweisen.

Denn seit die Morde bekannt wurden, kursieren Verschwörungstheorien. Sie besagen, dass die Sicherheitsbehörden alles versuchen werden, um jedwede Hinweise auf ihre Mitverantwortung für die Verbrechen verschwinden zu lassen. Solchen Ideen hängen nicht nur jene Leute an, die die Mondlandung bis heute für eine Fiktion halten. Auch unter Politikern gibt es durchaus berechtigten Argwohn, ob alle Beteiligten tatsächlich bereit sind, sämtliche Akten und Informationen zur Verfügung zu stellen. Wer auch immer versuchen sollte, bei der Klärung zu tricksen, weiß nun, dass er unter größter öffentlicher Beobachtung steht. höl

© SZ vom 13.02.2012/bön

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