Audimax Rechtsextreme stürmen Theateraufführung in Wien

  • Rechtsextreme haben eine Aufführung des Jelinek-Stücks "Die Schutzbefohlenen" in Wien gestürmt.
  • Nach einem Handgemenge entschieden sich die darstellenden Flüchtlinge, weiterzuspielen.
  • Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung.

20 bis 30 Rechtsextreme haben am Donnerstagabend im Audimax der Uni Wien eine Aufführung des Jelinek-Stücks "Die Schutzbefohlenen" gestört. Das berichten übereinstimmend mehrere österreichische Medien.

Die Rechtsextremen stürmten demnach die Bühne in dem mit 700 Personen besetzten Saal. Sie entrollten Transparente und Fahnen der Identitären Bewegung. Ins Publikum warfen sie Flugblätter mit dem Text "Multikulti tötet" und verspritzten Kunstblut. Das Stück wurde von Flüchtlingen aufgeführt und lief daher unter dem Motto: "Schutzbefohlene performen Jelineks Schutzbefohlene".

Nachdem es einigen Zuschauern gelungen war, die Störer hinauszudrängen, entschlossen sich die Darsteller weiterzuspielen, berichtete der frühere Wiener Grünen-Politiker Klaus Werner-Lobo.

Laut Polizei dauerte die Aktion etwa sieben Minuten. In acht Fällen werde Anzeige wegen Körperverletzung erstattet. Bei der anschließenden Fahndung waren elf Funkstreifen der Polizei im Einsatz, um nach den Tätern zu suchen. Die Identität von drei Personen sei festgestellt worden, außerdem werte die Polizei zahlreiche Handyvideos aus.

Gruppen der Identitären Bewegung verfolgen nach eigener Aussage das Ziel, eine nationale beziehungsweise europäische Identität aufrechtzuerhalten. Diese sehen sie vor allem durch eine angebliche Islamisierung bedroht. Auf ihrem Twitterprofil bezog sich die österreichische Gruppe nach der Aktion im Audimax auf die Terroranschläge von Paris, die sie als Folge des Multikulturalismus sieht. In Österreich wird den Identitären eine Nähe zum Neonazismus nachgesagt.