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Attentat von Detroit:Drahtzieher sollen in Guantanamo gesessen haben

Zwei Drahtzieher des vereitelten Detroit-Anschlags sollen einst Guantanamo-Insassen gewesen sein. US-Präsident Obama räumte nun Sicherheitsmängel ein.

R. Klüver

Zwei von insgesamt vermutlich vier Drahtziehern des vereitelten Flugzeugattentats von Detroit sollen ehemalige Insassen des Gefangenenlagers Guantanamo auf Kuba sein. Die aus Saudi-Arabien stammenden Häftlinge Nummer 333, Muhamad Attik al-Harbi, und Nummer 372, Said Ali Shari, seien Anfang November 2007 an ihr Heimatland überstellt worden, berichtete der Fernsehsender ABC unter Berufung auf Regierungsbeamte und Dokumente des US-Verteidigungsministeriums.

Jemen, al-Qaida, dpa

Die Spur des Terrors führt in den Jemen: Mutmaßliche Al-Qaida-Mitglieder in einem Gefängnis in der Hauptstadt Sanaa.

(Foto: Foto: dpa)

In Saudi-Arabien hätten sie an einer "Kunsttherapie zur Rehabilitierung" teilgenommen, bevor sie auf freien Fuß gesetzt worden seien, hieß es weiter. Beide hätten später Führungsrollen im Terrornetz al- Qaida im Jemen übernommen.

Die US-Regierung reagierte am Dienstag sehr schnell auf diesen Bericht. Das Washingtoner Insiderblatt Politico zitierte auf seiner Internetseite anonym einen hochrangigen Mitarbeiter des Weißen Hauses mit der Erklärung, dass die Schließung Guantanamos "aus Gründen der nationalen Sicherheit zwingend geboten" sei. Im Gegensatz zur Praxis unter Präsident George W. Bush werde jetzt aber vor jeder Entlassung aus Guantanamo sorgfältig geprüft, ob der Häftling gefährlich werden könnte. Der Präsident werde niemanden freisetzen, der eine Bedrohung der nationalen Sicherheit Amerikas darstellen könnte.

Die Regierung stand unterdessen weiter in der Kritik wegen ihrer Antiterror-Maßnahmen. "Die Obama-Administration macht in Fragen der nationalen Sicherheit gerade eine Solonummer", sagte der führende Republikaner im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, Peter Hoekstra.

Verdachtsmomente - etwa der Umstand, dass der mutmaßliche Attentäter Umar Faruk Abdulmutallab ohne Gepäck in die USA fliegen wollte - hätten sofort Alarm auslösen müssen. Auch Demokraten kritisierten die Administration. Nachdem die US-Behörden vor Abdulmuttalab durch dessen eigenen Vater gewarnt worden seien, hätten sie entschlossener handeln müssen, räumte die Vorsitzende des Geheimdienstausschusses des Senats, Dianne Feinstein, ein: "Zum Schutz der Menschen würde ich lieber überreagieren, als zu wenig tun."

"Katastrophale" Sicherheitsmängel

Obama hatte am Montag, drei Tage nach dem Attentatsversuch, in seinem Urlaubsort auf Hawaii erstmals öffentlich Stellung genommen. In einer kurzen Erklärung versprach er, dass er "jedes Machtmittel" einsetzen werde, um die Hintermänner zu verfolgen, "egal ob in Afghanistan oder Pakistan, dem Jemen oder in Somalia". Der missglückte Anschlag sei eine "ernste Erinnerung an die Gefahren", denen die USA weiterhin ausgesetzt seien.

Am Dienstag sprach Obama dann von "katastrophalen" Sicherheitsmängeln bei dem vereitelten Attentat. Die schweren Fehler, die die Sicherheitsbehörden begangen hätten, seien unter keinen Umständen hinzunehmen. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, sagte er in einer Audio-Botschaft aus Hawaii. Sowohl Heimatschutzministerin Janet Napolitano als auch Obamas Pressesprecher Robert Gibbs hatten am Wochenende im Fernsehen behauptet, die Sicherheitsvorkehrungen hätten gegriffen.

In den amerikanischen Medien wird der zögerlichen Reaktion Obamas breiten Raum eingeräumt. Zum einen wird darauf hingewiesen, wie sehr sich der Präsident von seinem Vorgänger George W. Bush unterscheidet, der oft mit unüberlegten Äußerungen vorpreschte. "No-Drama-Obama" habe sich wieder als Markenzeichen des Präsidenten erwiesen, als er am Montag mit klaren Worten Härte gegen die Terroristen versprach, zugleich aber vor Panikmache warnte.Zum anderen aber sehen viele ein sich wiederholendes Muster schleppenden Krisenmanagements.

Obamas Berater und Mitarbeiter versuchten zunächst, die Angelegenheit herunterzuspielen. Der Präsident selbst brach erst sein Schweigen, als klar war, dass die Situation für die Administration ohne sein Eingreifen unhaltbar werden würde: Immer wieder wurden im Fernsehen Bilder der Warteschlangen vor den Sicherheitsschleusen der Flughäfen gezeigt und dazu berichtet, dass der Präsident offenbar unbeschwert Picknick am Strand von Hawaii mache und Sport treibe.

© SZ vom 30.12.2009/woja

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