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Friedensforscher-Bericht:Atommächte modernisieren ihre Waffenarsenale

Friedensforscher: Atomwaffen werden wieder wichtiger

Das Friedensforschungsinstitut Sipri warnt vor besorgniserregenden Entwicklungen bei der atomaren Bewaffnung. Im Bild: Eine russische Interkontinentalrakete.

(Foto: dpa)
  • Die Zahl der atomaren Sprengköpfe hat sich dem Stockholmer Friedensforschungsinsitut Sipri zufolge im vergangenen Jahr weiter verringert.
  • Gleichzeitig sind die neun Atommächte demnach jedoch dabei, ihre Arsenale zu modernisieren.
  • Ein Sipri-Experte sieht die Entwicklung negativ.

Die Atommächte investieren nach Angaben von Friedensforschern wieder mehr in ihre nuklearen Waffenarsenale. Zwar ging die Zahl der Atomwaffen weltweit im vergangenen Jahr um knapp vier Prozent zurück, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri berichtet. Dafür seien die Atommächte aber wieder stärker darauf aus, ihre Waffen zu modernisieren.

"Offen gesagt ist das ein negativer Trend", sagte der Sipri-Atomwaffenexperte Shannon Kile. Der Rückgang der Zahl der Atomwaffen habe sich in den vergangenen Jahren entscheidend verlangsamt und sei lediglich darauf zurückzuführen, dass die USA und Russland Waffen ausrangierten, die sie nicht mehr brauchen.

Die Regierungen aller Atommächte seien dabei, ihre nuklearen Arsenale zu modernisieren, sagte Kile. "Was wir sehen, ist, dass Atomwaffen bei nationalen Sicherheits- und Militärstrategien wieder wichtiger werden." Unter der Regierung von Präsident Donald Trump betrieben die USA eine umfassende Modernisierungsstrategie. "Das umfasst sowohl die Waffen als solche als auch Bomber, U-Boote, Marschflugkörper und die Produktionskapazitäten", so der Experte. Einen ähnlichen Trend könne man in Russland beobachten. Eine atomwaffenfreie Welt sei somit weiter nicht in Sicht, warnte der Experte.

Weltweit fast 14 000 Atomwaffen - etwas weniger als vor einem Jahr

Insgesamt gab es im Januar 2019 schätzungsweise 13 865 Atomwaffen auf der Welt, wie aus dem am Montag veröffentlichten Sipri-Jahresbericht 2019 hervorgeht. Ein Jahr zuvor waren es demnach etwa 14 465 gewesen. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges Mitte der 1980er Jahre gab es einst etwa 70 000 Atomsprengköpfe.

Mehr als 90 Prozent der heutigen Atomwaffen befinden sich heute Sipri zufolge im Besitz der USA und Russlands. Die beiden Länder verfügen den Schätzungen zufolge über 6185 beziehungsweise 6500 Atomsprengköpfe. Aber auch die weiteren drei UN-Vetomächte Großbritannien (200), Frankreich (300) und China (290) sowie Israel (80-90) und die in einen dauerhaften Konflikt verstrickten Staaten Indien (130-140) und Pakistan (150-160) verfügen über derlei Waffen. Indien, Pakistan und auch China hätten ihre Arsenale in den vergangenen Jahren schrittweise ausgebaut, sagte Kile. Die Zahl der Atomwaffen im Besitz von Nordkorea schätzen die Friedensforscher auf 20 bis 30 - nach 10 bis 20 ein Jahr zuvor.

Als zumindest teilweise sofort einsatzbereit gelten nur die Atomsprengköpfe der USA, Russlands, Großbritanniens und Frankreichs. Sipri schätzt, dass derzeit 3750 atomare Sprengköpfe operativ einsetzbar sind. Darunter dürften fast 2000 sein, die auf hoher Alarmstufe bereit gehalten werden.

© SZ.de/dpa/epd/gal/bix
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