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Atomstreit mit Iran:Mögliche militärische Dimensionen

Fortschritte sind dagegen bei der Frage nach der Zukunft des Schwerwasserreaktors in Arak zu erkennen. Würde er in der jetzigen Konfiguration mit Brennstoff aus natürlichem Uran in Betrieb gehen, würde er aufgrund der technischen Ausführung größere Mengen Plutonium in den verbrauchten Brennstäben produzieren und dem Regime potenziell eine zweite Quelle spaltbaren Materials eröffnen, aus dem sich Bomben bauen lassen. Iran hat nach den Worten Salehis nun zugestimmt, den Reaktor so zu modifizieren, dass er nur ein Fünftel der ursprünglich geplanten Menge Plutonium produziert - das lässt sich erreichen, indem man Brennstäbe mit auf 3,5 Prozent angereichertem Uran verwendet. Allerdings könnte Iran dies ohne allzu großen Aufwand rückgängig machen und den Reaktor dann in der ursprünglich geplanten Konfiguration betreiben.

Der Westen hatte deshalb darauf gedrungen, Arak in einen Leichtwasserreaktor umzufunktionieren. Dieser würde genauso radioaktive Isotope für die Medizin liefern - die Rechtfertigung Irans für den Bau des Reaktors. Plutonium würde dabei aber nur in geringen Mengen anfallen, und der Umbau wäre auch nicht ohne Weiteres rückgängig zu machen. Dennoch scheinen die USA und ihre Verbündeten bereit zu sein, die von Iran favorisierte und mit Hilfe Russlands ausgearbeitete Lösung zu akzeptieren. Dazu mag beitragen, dass Iran derzeit noch nicht über Wiederaufarbeitungstechnologie verfügt, um Plutonium aus den Brennstäben abzuscheiden - und in dem Abkommen auch zusagen müsste, darauf zu verzichten.

Gewisse Fortschritte gibt es auch bei der Aufklärung der "möglichen militärischen Dimensionen" des iranischen Atomprogramms, wie bei der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA die zahlreichen und gut dokumentierten Verdachtsmomente genannt werden, dass Iran zumindest bis 2003 an der Entwicklung von Atomwaffen gearbeitet hat. Einen mit den Inspektoren vereinbarten Fahrplan mit sieben Punkten hat Iran vereinbarungsgemäß abgearbeitet. Allerdings sind im Zuge dieser "vertrauensbildenden Maßnahmen" die heiklen Fragen bislang nicht einmal angesprochen worden, darunter Versuche mit nichtnuklearen Komponenten eines Atomsprengkopfs und einem passenden Zündmechanismus, die iranische Wissenschaftler auf dem Militärstützpunkt Parchin vorgenommen haben sollen.

Sorgen wegen möglichen Deals zwischen Russland und Iran

Allerdings gehen westliche Diplomaten davon aus, dass nicht alle Aspekte aufgeklärt sein müssen, bevor man ein endgültiges Abkommen mit Iran beschließt. Es könnte auch ein Zeitplan mit der IAEA vereinbart werden, in dem die Aufhebung bestimmter Sanktionen daran gekoppelt wird, dass Iran in einem festgelegten Zeitraum - zwei Jahre etwa - die Fragen der IAEA beantworten muss. Dagegen weigert sich Iran bislang, über sein Programm zur Entwicklung ballistischer Raketen zu diskutieren, aus westlicher Sicht ein weiterer, unabdingbarer Aspekt eines möglichen Abkommens, da diese Raketen das Trägersystem für Atomsprengköpfe sind.

Positiv merken westliche Diplomaten an, dass sich Russland trotz der Krise in der Ukraine und der zunehmenden Spannungen mit dem Westen bislang konstruktiv an den Gesprächen beteiligt - auch wenn Russlands Unterhändler und Vizeaußenminister Sergej Rjabkow gedroht hat, dass sich dies ändern könnte.

Berichte über Verhandlungen zwischen Teheran und Moskau über einen 20 Milliarden Dollar umfassenden Öl-Deal haben zwar Sorgen ausgelöst, dass Russland versuchen könnte, die Sanktionen gegen Iran zu unterlaufen und den Druck von dem Regime zu nehmen. Irans Regierung ist nach Einschätzung der westlichen Unterhändler und auch nach Bekundungen hoher Vertreter des Regimes vor allem daran gelegen, seine wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zur EU zu normalisieren. Dafür aber ist ein endgültiges Atomabkommen die Voraussetzung. Sowohl den Machthabern in Teheran als auch im Kreml ist deshalb nach Aussagen von Diplomaten "auf sehr hoher Regierungsebene" kommuniziert worden, dass die Atomgespräche ein abruptes Ende finden würden, sollten Iran und Russland einen Deal schließen, bevor ein Abkommen mit den P5+1 steht.