Atomstreit mit Iran Das freundliche Gesicht der Islamischen Republik

Freundlicher, aber versierter Verhandler: Irans Außenminister Mohammad Dschawad Sarif

(Foto: AP)

Freundlich im Ton, hart in der Sache: Außenminister Mohammed Dschawad Sarif vertritt Iran in den Atomgesprächen. Er gilt als nervenstarker Verhandler, der versucht, für sein Land das Maximum herauszuholen.

Von Paul-Anton Krüger

Ein verschmitztes Lächeln, auch morgens um fünf, nach durchverhandelter Nacht, Erklärungen in perfektem Englisch, eine sonore, wohlklingende Stimme. So hat die Welt Mohammad Dschawad Sarif kennengelernt. Irans weltläufiger Außenminister ist das freundliche Gesicht der Islamischen Republik.

Niemand verkörpert den Image-Wandel des einstigen Paria-Staates so gut wie er. Der 55-Jährige kennt die Gepflogenheiten im Westen. Er ging mit 17 Jahren in die USA, hat dort studiert und wurde 1988 an der University of Denver promoviert mit einer Arbeit über Selbstverteidigung im Völkerrecht und den Internationalen Beziehungen. Seine Botschaften verbreitet er gerne über Twitter, auch wenn soziale Medien in seiner Heimat wegen der strikten Internetzensur gesperrt sind.

Anders als manche seiner Vorgänger sieht er keinen Wert darin, seinen Kollegen ständig polternd die Litanei der alten Vorwürfe gegen den Westen vorzutragen, die in Teheran unvergessen sind. Den Hardlinern, die in den Atomgesprächen ohnehin nur den Ausverkauf nationaler Interessen sehen, macht er sich dadurch suspekt. So musste Sarif sich beißender Kritik erwehren, als er im Januar in Genf mit seinem US-Kollegen John Kerry zu einem viertelstündigen Spaziergang aufbrach.

Die beiden wurden gefilmt, wie sie offenkundig bester Laune über die Rhône-Brücke schlenderten, um einen Blick auf die berühmte Fontäne zu werfen. Es war wohl eine der wenigen Möglichkeit, wie die beiden sich unter vier Augen unterhalten können, ohne dass andere mitlauschen. In Teheran sahen die Konservativen darin dagegen eine unwürdige Anbiederung an den Erzfeind.

Sarif versucht, für sein Land das Maximum herauszuholen

Seine Diplomaten-Karriere startete Sarif im Mai 1982 an der Ständigen Vertretung Irans bei den UN in New York, wo er von 2002 bis 2007 als Botschafter diente, größtenteils unter dem reformorientierten Präsidenten Mohammad Chatami. In dieser Zeit war sein jetziger Chef Hassan Rohani Atomunterhändler - und Sarif Mitglied der Delegation. Zudem führte er in seiner New Yorker Zeit diskrete Gespräche mit US-Politikern bis hin zum damaligen Senator und heutigen Vize-Präsidenten Joe Biden und galt als Verfechter einer Aussöhnung.

Westliche Diplomaten beschreiben Sarif als versierten, nervenstarken Verhandler, der die Materie bis ins Detail beherrscht. Sie schätzen seine Verbindlichkeit, auch wenn sie sich keinen Illusionen hingeben, dass letztlich der Oberste Führer Ali Chamenei die Entscheidungen trifft und Sarif sich bei aller Freundlichkeit allein Irans Interessen verpflichtet fühlt. Er versucht, für sein Land das Maximum herauszuholen, das macht einen guten Diplomaten aus.

Jüngst rollte er seine Papiere zusammen und blickte wie durch ein Fernrohr versonnen über den Genfer See in die schneebedeckten Alpen. Vielleicht fühlte er sich an die Gipfel des Elburs erinnert, die Teheran überragen. Er weiß, dass die Atomgespräche darüber entscheiden, ob seine Landsleute ihn als Helden feiern oder seine Karriere ein jähes Ende findet.

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