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Atomstreit:"Als Diplomaten sind wir optimistisch"

SZ: Wann rechnen Sie mit einer Einigung?

Mottaki: So schnell wie möglich, aus unserer Sicht. Wir hoffen, was die Zeit betrifft, dass der Wille auch auf der anderen Seite vorhanden ist. Im Großen und Ganzen sehe ich kein Problem. Als Diplomaten sind wir normalerweise optimistisch.

SZ: Sie haben über Menge und Zeit des Austauschs gesprochen, nicht über den Ort. Wäre ein Tausch im Ausland, etwa in Russland, für Iran akzeptabel?

Mottaki: Es gibt viele verschiedene Orte, die genannt wurden. Ich glaube, wenn der Wille da ist für einen Tausch, und wenn man sich in Fachgesprächen über die Mechanismen geeinigt hat, kann man natürlich den leichtesten Weg und den besten Ort finden, wie man diesen Tausch durchführen kann.

SZ: Der Westen ist gerade dabei, wegen des Atomstreits eine neue Sanktionsrunde im UN-Sicherheitsrat vorzubereiten. Sollte es zu einer neuen Resolution kommen, würde dies die Position Irans zu einem möglichen Austausch des Urans verändern?

Mottaki: In dieser Frage hat es immer zwei Seiten gegeben: Zusammenarbeit und Konfrontation. Wir sind immer für Interaktion und Zusammenarbeit gewesen. Natürlich, eine Bewegung in Richtung einer neuen Resolution trägt eine politische Konfrontation in sich. Wir glauben, dass beide Seiten das Verfahren des Tausches tatsächlich brauchen, um einen Ausweg zu finden aus dieser jetzigen Situation. Deswegen können wir davon ausgehen, dass wir diesen Knoten auch mit Händen lösen können. Deswegen hoffen wir, dass man interagiert und zusammenarbeitet, solange die Möglichkeit besteht, und nicht in Richtung Konfrontation geht. Aber es ist so: Immer wenn etwas passiert, sagen die Diplomaten ihre Meinung, und wir haben es überhaupt nicht eilig, vorschnelle Stellungnahmen zu formulieren, bevor etwas passiert. Wir wollen nicht den Teufel an die Wand malen. Wir reden daher in der aktuellen Situation über die aktuelle Situation. Und die momentane Atmosphäre sehen wir positiv. Man kann das managen. Man kann natürlich zu einer einvernehmlichen Lösung kommen.

SZ: Herr Minister, der Atomstreit mit Iran geht weit über diesen Austausch von Uran hinaus. Wären Sie im Falle, dass es zu einer Einigung kommt, auch bereit, die Forderung des UN-Sicherheitsrates zu erfüllen, die Urananreicherung einzustellen und die bei der IAEA noch offenen Fragen zu möglichen militärischen Dimensionen des iranischen Atomprogramms zu klären?

Mottaki: Die nuklearen Aktivitäten Irans sind friedlich. In unserer Militär- und Sicherheitsdoktrin haben Nuklearwaffen keinerlei Platz. Die Zeiten von Atomwaffen sind längst vorbei. Grundlage für jeglichen beiderseitigen Ansatz müssen die internationalen Regelungen sein. Unsere Aktivitäten und unser Zusammenarbeit mit der IAEA basiert auf diesen Regelungen. Wir haben eine ganz klare Haltung zu Nuklearwaffen, wie ich gesagt habe. Und auf verschiedenen Ebenen der Islamischen Republik Iran hat man diese Meinung geäußert. Ich bin der Meinung, dass ein gemeinsames Verständnis im Verfahren des Tauschs von Brennstoff den Weg für ein gemeinsames neues Verständnis für zukünftige, neue Zusammenarbeit ebnen kann.

© SZ vom 06.02.2010/aho

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