Süddeutsche Zeitung

Atomstreit:Iran reichert Uran an

Iran hat seine Drohung wahrgemacht und mit der umstrittenen Urananreicherung in der Atomanlage in Natans begonnen. Der Westen will den Druck auf die Regierung in Teheran erhöhen.

Iran hat die Produktion von höher angereichertem Uran eingeleitet. Das bestätigte der Leiter der iranischen Atombehörde, Ali Akbar Salehi, nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur ISNA.

Das angereicherte Uran soll in der Anlage in Natans für einen Reaktor produziert werden. Es sollen Isotope zur medizinischen Anwendung hergestellt werden.

Iran hatte bereits angekündigt, mit der Anreicherung von Kernbrennstoff auf 20 Prozent zu beginnen. Für den Bau eines atomaren Sprengsatzes muss Uran auf über 80 Prozent angereichert werden.

Die IAEA sieht die Bemühungen um eine diplomatische Beilegung des Konflikts gefährdet: "Generaldirektor Yukiya Amano nimmt diese Entscheidung mit Besorgnis zur Kenntnis, da sie laufende internationale Bemühungen um die Verfügbarkeit von nuklearem Brennstoff für den Teheraner Forschungsreaktor beeinflussen könnte", hieß es in der IAEA-Mitteilung.

Die Weltgemeinschaft will, dass der Anreicherungsprozess nicht in Iran, sondern unter internationaler Kontrolle in Russland und Frankreich vorgenommen wird. Für den Fall des Scheiterns der Verhandlungen hatten die USA und die EU bereits mit verschärften Sanktionen gegen Iran gedroht.

Washington und Paris erhöhten am Montag den Druck. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Guido Westerwelle forderten einen schärferen Ton gegenüber Teheran. Israel fühlt sich durch das iranische Atomprogramm in seiner Existenz bedroht.

Der Leiter der iranischen Atombehörde, Ali Akbar Salehi, kündigte an, sein Land werde binnen eines Jahres zehn neue Anreicherungsanlagen bauen. Schon im Vorjahr hatte Iran Bedarf für zehn Anlagen angemeldet, doch wurden bisher erst fünf Standorte ausgewählt, wie es in Teheran hieß.

Nach Angaben von Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast muss Iran all seine technologischen Möglichkeiten nutzen, um den wachsenden Bedarf an nuklearem Brennstoff selbst zu erzeugen.

Teheran sei gezwungen, die Anreicherung selbst vorzunehmen, da es kein anderes Abkommen gegeben habe, meinte Salehi. "Wir sind weiter zu einem Abkommen über einen Austausch bereit, und wann immer eine Übereinkunft getroffen wird und sobald wir den Brennstoff aus dem Ausland erhalten, werden wir den Anreicherungsprozess stoppen", sagte er.

Die Westmächte hatten in den vergangenen Monaten immer wieder gehofft, Teheran zur Unterzeichnung eines Abkommens bewegen zu können, das die Anreicherung des Urans im Ausland vorsieht. Iran braucht den Brennstoff nach eigenen Angaben für den Betrieb eines medizinischen Forschungsreaktors. Teheran hatte daraufhin immer wieder auf Zeit gespielt und Gegenvorschläge gemacht, die jedoch für die Weltmächte nicht akzeptabel waren.

"Den Druck erhöhen"

Frankreich und die USA seien der Ansicht, dass die internationale Gemeinschaft keine andere Wahl habe, als im Weltsicherheitsrat an neuen Maßnahmen zu arbeiten, sagte der französische Verteidigungsminister Hervé Morin am Montag nach einem Gespräch mit seinem amerikanischen Amtskollegen Robert Gates in Paris. "Der einzige Weg, der uns bleibt, (...) ist der des Drucks", bekräftigte Gates.

Merkel erklärte sich zu einer härteren Gangart mit Wirtschaftssanktionen bereit. Die jüngsten Äußerungen aus Teheran zeugten davon, dass der Iran auf das IAEA-Angebot weiterhin nicht eingehen wolle, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin. "Wir werden also jetzt sehr sorgfältig die Schritte der iranischen Führung in den nächsten Tagen beobachten und dann abhängig davon den Weg gehen, den Druck zu erhöhen."

Außenminister Westerwelle sagte: "Es gibt bislang keinerlei Einlenken Irans." Das bedeute, dass "wir jetzt in der Völkergemeinschaft über weitere Maßnahmen reden müssen." Iran habe jedes Recht, die Atomkraft zu nutzen. "Er muss aber für Transparenz sorgen, weil eine atomare Bewaffnung des Irans von der Völkergemeinschaft nicht akzeptiert werden kann", fügte Westerwelle hinzu.

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