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Atomprogramm:Nordkorea erzeugt wieder Plutonium

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Eines der wenigen Fotos, die Nordkoreas Atommeiler Yongbyon-1 zeigen, stammt aus den frühen neunziger Jahren.

(Foto: AFP)

Der US-Geheimdienstdirektor James Clapper glaubt aber nicht, dass Pjöngjang an einer Atombombe baut.

Nordkorea könnte nach Einschätzung von US-Geheimdienstdirektor James Clapper "binnen Wochen oder Monaten" weiteres Plutonium aus einem Reaktor in seinem Atomforschungszentrum in Yongbyon gewinnen. Plutonium wird als spaltbares Material in Nuklearsprengköpfen verwendet. Auch hochangereichertes Uran ist dafür geeignet. Clapper sagte bei der Vorstellung seines Jahresberichts vor dem Streitkräfteausschuss des Senats in Washington weiter, Nordkorea habe seine Anreicherungsanlage auf dem gleichen Gelände ausgebaut, auf dem der Reaktor steht.

Nach Berechnungen des unabhängigen Institute for Sciene and International Security (Isis) verfügte Nordkorea Ende 2014 über einen Vorrat von etwa 30 bis 34 Kilogramm waffenfähigen Plutoniums, das in der Wiederaufarbeitungsanlage in Yongbyon aus Brennstäben des Reaktors gewonnen worden war. Wie viel davon bereits in Sprengköpfen verbaut wurde, ist nicht bekannt. Durch seinen vierten Atomtest zu Beginn des Jahres jedoch hat das Land vermutlich mehrere Kilo des Materials verbraucht. Die Nordkoreaner könnten nun also ihren Vorrat wieder aufstocken wollen.

Das Regime soll darauf aus sein, ein Arsenal kleinerer Waffen zu bauen

Das Regime in Pjöngjang hatte 2013 angekündigt, den 2007 stillgelegten Reaktor wieder in Betrieb zu nehmen. Satellitenbilder lassen vermuten, dass er im Oktober 2014 wieder angefahren, aber nicht mit voller Leistung betrieben wurde. Dabei fällt bei diesem Reaktortyp automatisch Plutonium in den Brennelementen an, aus denen es später in einem chemischen Prozess extrahiert werden kann.

Die Einschätzung Clappers dürfte Sorgen in Ostasien und den USA verschärfen, dass Nordkorea nicht nur technische Fortschritte in seinem Atomprogramm macht, sondern darauf aus ist, ein kleines Arsenal einsatzfähiger Sprengköpfe zu bauen. Das Land hatte jüngst auch mit einer Trägerrakete einen Satelliten ins All geschossen. Solche Raketen weisen große Ähnlichkeiten mit militärischen Langstreckenraketen auf. Experten halten es aber für unwahrscheinlich, dass Nordkorea bereits in der Lage ist, ein einsatzfähiges System aus Rakete und Sprengkopf zu bauen.

Nach Angeben des Regimes handelte es sich bei der Testexplosion am 6. Januar um eine Wasserstoffbombe. Diese entwickeln eine wesentlich höhere Sprengkraft als herkömmliche Atombomben. Die Messwerte sprechen allerdings eher dafür, dass die Explosion vergleichbar war mit dem letzten test 2013, dessen Sprengkraft auf vier bis 15 Kilotonnen des Sprengstoffs TNT berechnet wurde. Politisch verbessert Kim Jong Un mit dem Betrieb des Reaktors seine Verhandlungsposition, sollten Gespräche mit den USA wieder aufgenommen werden. Washington versucht derzeit, China für harte Sanktionen gegen Nordkorea zu gewinnen. Peking hat dies bisher aber immer abgelehnt.

© SZ vom 10.02.2016

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