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Atommüll im Zwischenlager Gorleben:Strahlenwerte gefährden Castor-Transport

In Gorleben steigt die Strahlung, bei den Grünen wächst die Empörung. Messungen haben ergeben, dass der erlaubte Jahreswert am Atommüllzwischenlager überschritten werden könnte. Die Grünen fordern, den Castor-Transport im Herbst abzusagen. Das Landesumweltministerium sieht dafür keinen Grund.

Bei Messungen am Atommüllzwischenlager Gorleben sind im Vergleich zum Vorjahr gestiegene Strahlenwerte festgestellt worden. Das niedersächsische Umweltministerium geht dennoch davon aus, dass dadurch der nächste Castor-Transport mit Atommüll nach Gorleben in diesem Herbst nicht gefährdet ist.

Gestiegene Strahlenwerte am Zwischenlager Gorleben

Die Strahlenwerte am Atommüllzwischenlager Gorleben sind gestiegen, die erlaubte Jahresdosis könnte sogar überschritten werden.

(Foto: dpa)

Messungen am Zaun des Zwischenlagergeländes ergaben in den ersten sechs Monaten eine Strahlenbelastung, die einem Jahresmittelwert von 0,27 Millisievert entspricht. "Der Jahresgrenzwert liegt bei 0,3 Millisievert", sagte eine Sprecherin des Ministeriums. "Um ein Überschreiten des Grenzwertes zu verhindern, muss der Betreiber schon jetzt Maßnahmen ergreifen", sagte sie. Der genaue Grund für die gestiegenen Messwerte sei noch unklar. Es könne aber an einem der Messpunkte liegen, der um vier Meter versetzt worden sei und dadurch etwas näher an der Halle mit den Castor-Behältern liege.

Das NDR-Fernsehmagazin Hallo Niedersachsen zitierte einen internen Vermerk der Behörde, die für die Messungen verantwortlich ist. In dem Papier des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz heißt es, nach den aktuellen Werten sei nicht auszuschließen, dass die erlaubte Jahresdosis für 2011 überschritten werden könnte. Eine Einlagerung weiterer Castor-Behälter wäre dann nicht zulässig. Die Sprecherin des Umweltministeriums wies darauf hin, dass die Grenzwerte für das Zwischenlager Gorleben deutlich schärfer seien als für andere deutsche Atomanlagen an vergleichbarer Stelle - dort gelte in der Regel ein Jahresgrenzwert von 1,0 statt wie in Gorleben von 0,3 Millisievert.

Um den nächsten Castor-Transport dennoch in das Zwischenlager bringen zu können, sei es denkbar, die Neutronenstrahlung durch zusätzliche Abschirmmaßnahmen abzufangen, sagte die Sprecherin des Ministeriums. Eine wirksame Maßnahme könnte auch die Umstellung der Behälter innerhalb des Lagers sein, um den Abstand zum Zaun des Betriebsgeländes zu erhöhen, wo gemessen wird.

Die Grünen im niedersächsischen Landtag forderten, den nächsten Castor-Transport nach Gorleben für den Herbst abzusagen. Die Werte seien ein Alarmsignal. Fraktionschef Stefan Wenzel warnte Landesregierung und Atomindustrie davor, weitere Einlagerungen durch Tricks und Manipulationen ermöglichen zu wollen. Die Umstellung von Behältern sei eine "abenteuerliche Überlegung". Die endgültige Entscheidung, ob es in diesem Jahr einen Castor-Transport nach Gorleben gibt, fällt nach Angaben des Ministeriums im Oktober.

Der im November geplante Castortransport nach Gorleben ist der letzte mit hochradioaktiven Abfällen aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague. Von dort soll 2014 voraussichtlich noch ein Transport mit mittelradioaktivem Atommüll in das Zwischenlager rollen. Ab 2015 sollen noch 21 Castorbehälter mit hochradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung in Großbritannien in das Lager in Niedersachsen gebracht werden.

© sueddeutsche.de/dpa/infu

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