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Atomkraftwerke als Terrorziele:Das Unglück von Fukushima war menschengemacht

Wo befinden sich die besonders sensiblen Bereiche eines Atomkraftwerkes?

Eine solche Frage wird mit gutem Grund in der Öffentlichkeit nicht diskutiert. Ganz allgemein ist natürlich bekannt, dass diejenigen Stellen, an denen die Nervenstränge eines Systems gebündelt sind, gefährdete Stellen sind. Dies betrifft zum Beispiel die elektrische Versorgung. Je älter das Sicherheitskonzept der Anlage ist, je weniger die Schaltkreise getrennt sind, umso weniger unabhängige Stromversorgungssysteme vorhanden sind, umso verletzlicher ist die Anlage. Daneben kommt es darauf an, wie hoch der sogenannte physische Schutz der Anlage ist, also derjenige Schutz, der ein Eindringen von außen verhindert. Auch hier sind die älteren Anlagen in der Regel schlechter ausgelegt als neuere. Dies betrifft die Betonstrukturen, die Widerstandsfähigkeit von Türen, den Schutz der verlegten Kabelstränge und Rohrleitungen, also grundsätzlich Systeme und Komponenten und deren Anordnung, deren Schwäche in Fukushima zur Katastrophe geführt hat.

Aber Fukushima beruhte auf einer Naturkatastrophe ...

Nein, das war menschengemacht. Es war mangelnde Vorsorge, obwohl man Vorsorge hätte treffen müssen. Und mit dem Vorwissen über die Sicherheit von AKWs, hätte das nie passieren dürfen.

Sie meinen, man hätte das AKW nicht so nah am Meer bauen dürfen?

Bereits Jahre vor diesem verheerenden Tsunami wusste man, dass es Wellen in dieser Höhe geben kann. Zumindest die Stromversorgung hätte man aufgrund dieses Wissens besser schützen müssen. Die Dieselaggregate zur Notversorgung hätten beispielweise viel höher positioniert werden müssen. Aber das ist nur ein Aspekt, der wissentlich missachtet wurde. Im Grunde war es ein Versagen des gesamten Aufsichts- und Betreibersystems über das die Öffentlichkeit jedoch keinerlei Informationen hatte. Wenn sie alleine machen können, was sie wollen, dann denken sie häufig in erster Linie über Kosteneffizienz bzw. Schutz der Investitionen nach.

AKW-Sicherheit ist also eine Art Black Box, weil wir nicht wissen, in was die Betreiber wirklich investieren?

Genau, deshalb kann es auch sein, dass die Maßnahmen gegen Terroranschläge ungenügend sind. Wir haben darüber einfach keine Informationen und deshalb geht davon auch eine Angst aus, die man nicht wegdiskutieren kann.

Aber geht von menschlichem Versagen nicht eine viel größere Gefahr aus?

Der Mensch ist grundsätzlich immer die größte Gefahr: Vorsorge nicht zu schaffen, wo man sie hätte schaffen können oder da aus Kostengründen nicht zu reagieren, wo es nötig wäre oder Sicherheitsprüfungen zu vergessen, Reparaturen falsch auszuführen, Sicherheitsprobleme nicht zu erkennen oder falsch zu bewerten. Aber selbst wenn sie fehlerlos wären, bleibt noch das, was wir prinzipiell nicht planen, nicht vorausdenken können, um einen Unfall zu vermeiden. Dieses Risiko gibt es auch bei jeder Chemieanalage, aber der Supergau eines Kernkraftwerks hat nun mal andere, weitreichendere Folgen.

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