Atomkatastrophe in Japan Strahlung an Fukushima-Reaktor millionenfach erhöht

Das Meerwasser ist bereits dramatisch verstrahlt, jetzt schüren neue Messwerte aus dem japanischen Kernkraftwerk Fukushima erneut die Angst: Die Radioaktivität in Reaktorblock 2 ist nach Angaben des Betreibers Tepco inzwischen zehn Millionen Mal höher als der Normalwert. Die Rettungsarbeiten mussten vorerst abgebrochen werden.

Die Nachrichten aus Fukushima werden immer alarmierender: Die Radioaktivität in Reaktorblock 2 des japanischen Atomkraftwerks ist zehn Millionen Mal höher als der Normalwert. Die Radioaktivität wurde in ausgetretenem Wasser in Reaktor 2 gemessen, wie ein Sprecher der Betreiberfirma Tepco mitteilte. Die Messarbeiten seien daraufhin abgebrochen und die Arbeiter abgezogen worden, meldete die Agentur Jiji.

Die Radioaktivität in Reaktorblock 2 des japanischen Atomkraftwerks ist zehn Millionen Mal höher als der Normalwert.

(Foto: REUTERS)

Bereits zuvor hatte die Reaktorsicherheitsagentur NISA in dem Wasser an Reaktor 2 eine hohe Konzentration des Isotops Jod-134 festgestellt. Das könne auf einen Schaden am Reaktorkern hinweisen, hieß es. Auch das Meer um Fukushima wird immer stärker radioaktiv verseucht. Am Sonntag übertraf die Strahlung den zulässigen Grenzwert bereits um das 1850-fache.

Experten begannen am Sonntag damit, das aus den Reaktoren entweichende radioaktiv verseuchte Wasser abzupumpen. Eine Pumpe sei im Turbinengebäude hinter Reaktor 1 installiert worden, teilte Tepco mit. Angesichts der Wassermassen sollten im Tagesverlauf zudem zwei zusätzliche Pumpen eingesetzt werden, hieß es von der japanischen Atomaufsichtsbehörde. Laut Tepco sollen die Arbeiten wegen der erhöhten Strahlenwerte aber nun zunächst nicht fortgesetzt werden.

Am Donnerstag waren bereits drei Arbeiter im Turbinengebäude von Reaktor 3 verstrahlt worden, nachdem sie durch radioaktiv verseuchtes Wasser gelaufen waren. Zwei von ihnen mussten mit Verbrennungen an den Füßen ins Krankenhaus gebracht werden. Tepco räumte ein, dass die Arbeiter nicht vor dem radioaktiven Wasser im Turbinen-Gebäude gewarnt worden waren. "Wenn der Informationsaustausch ordentlich funktioniert hätte, wäre der Zwischenfall möglicherweise verhindert worden", sagte ein Tepco-Manager der Zeitung Yomiuri.

Die Gefahr eines Super-GAUS in dem Atomkraftwerk ist nach Einschätzung des Chefs der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Yukiya Amano, noch lange nicht gebannt. Er sehe zwar einige "positive Signale" durch die Wiederherstellung von Stromleitungen in dem Kraftwerk, es müsse aber noch mehr getan werden, um die Situation zu einem Ende zu bringen, sagte Amano der New York Times.

Angesichts des Ausmaßes der Zerstörung könne sich die Notfallsituation noch Wochen oder Monate hinziehen, hieß es. Nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe vom 11. März waren die Kühlsysteme mehrerer Reaktoren in dem Kernkraftwerk ausgefallen, was Explosionen und Brände auslöste.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht sieht Japan schweren Monaten oder Jahren entgegen. Nach dem Atomunfall sorgt sich die Regierung um ihre landwirtschaftlichen Exporte. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Diplomatenkreise berichtete, will Japan die Mitglieder der Welthandelsorganisation WTO bei einem informellen Treffen am Dienstag vor Überreaktionen warnen. Aus Sorge vor Verstrahlung haben einige Länder wie Australien, Singapur oder Hongkong Importbeschränkungen für Agrarprodukte aus dem Nordosten Japans verhängt. Andere - darunter Deutschland - haben die Kontrollen bei Einfuhren verschärft.

Japan will dem Bericht nach die WTO an die Einhaltung der eigenen Bestimmungen erinnern, wonach es verboten sei, ohne wissenschaftliche Beweise Handelsrestriktionen zu verhängen. Japan selbst hat strikte Lieferstopps für mehrere Gemüsearten und Milch aus der Region erlassen, bei denen Werte über der erlaubten Grenze gemessen worden waren. Vor der Einfuhr in die EU müssen Lebensmittel aus zwölf japanischen Präfekturen bereits in Japan auf Radioaktivität geprüft werden.

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