Atomkatastrophe in Japan: Fragen und Antworten Hat die Kernschmelze bereits eingesetzt?

Fachleute nehmen an, dass Brennelemente zumindest zum Teil geschmolzen sind; auch die Betreiber und die japanische Regierung bestätigen das oder schließen es jedenfalls nicht mehr aus. Ob der Vorgang jedoch gestoppt wurde oder weitergeht, ist unklar. Kabinettschef Yukio Edano hat seine Landsleute jedenfalls vor Gesundheitsgefahren durch die ansteigende radioaktive Strahlung aus nunmehr vier Reaktorblöcken gewarnt.

Atomkraftwerke in Bayern

Sechs Reaktoren, vier Standorte

In Block 4 hat es ein Feuer in einem sogenannten Abklinglager für gebrauchte Brennelemente gegeben. Die Blöcke 1 bis 3 sind außer Kontrolle, weil alle normalen Maßnahmen versagt haben. Sie werden mit Meerwasser notgekühlt, das die Brennelemente nach Aussagen des Verbands der Atomindustrie zur Hälfte umspült hat; die japanische Atomaufsicht Nisa hat diese Maßnahme als stabil bezeichnet.

Den drei Blöcken gemeinsam ist, dass die Brennelemente überhitzt sind und schwere Schäden erlitten haben. Sonst hätte sich weder Wasserstoff gebildet, der in allen drei Reaktoren explodiert ist und die Gebäudehülle beschädigt hat, noch wäre strahlendes Cäsium beim Ablassen von radioaktivem Dampf oder durch Lecks in den Sicherheitsbehältern in die Umwelt gelangt.

Bei Block 2 nehmen japanische Behörden und Industrievertreter inzwischen an, dass dort das sogenannte Containment beschädigt ist, also der äußere, auf hohen Überdruck ausgelegte Mantel aus Stahlbeton um den Reaktorkern. Ab einer Temperatur von etwa 900 Grad Celsius heizt nicht nur die Wärme aus andauernden radioaktiven Zerfällen die Brennelemente auf, sondern auch die Oxidation der Hüllrohre aus einer Zirkonlegierung.

Als einigermaßen sicher gelten die abgeschalteten Reaktoren erst, wenn sie den sogenannten Cold Shutdown erreicht haben und die Temperatur im Kern unter 100 Grad Celsius gesunken ist.

(cris)