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Atomkatastrophe in Japan: Deutscher Student in Tokio:Wem kann ich glauben?

Natürlich bin ich besorgt. Ich lese in der deutschen Presse viel von der Atom-Apokalypse, da wird unsere Situation hier sehr negativ beschrieben. Ich sehe auch die Pressekonferenzen des japanischen Regierungssprechers, gerade erst hat er wieder gesprochen. Da klingt alles ganz anders. Aber ich merke auch, dass er den Fragen der Journalisten ausweicht und bin nicht sicher, ob ich ihm glauben kann. Er bekommt wahrscheinlich auch nicht alle Informationen.

Nach Erdbeben in Japan - Strom wird knapper

Skyline von Tokio bei Nacht: Nach dem Erdbeben wird Strom in der Hauptstadt immer knapper. In Nagoya, wo Benjamin H. inzwischen ist, läuft das Leben ganz normal weiter.

(Foto: dpa)

Klar, in Tokio sind die Menschen verunsichert - aber die meisten Japaner sind überhaupt nicht panisch. Das beruhigt auch mich. Meine Freundin ist Japanerin. Deren Eltern sprechen gar von Panikmache der internationalen Medien. Daher zögert sie derzeit noch, mir zu folgen, wenn ich jetzt das Land verlassen würde.

Also bleibe auch ich. Zunächst in Nagoya, aber ich möchte möglichst schnell zurück nach Tokio. Schließlich habe ich alles in meiner Wohnung gelassen, bevor wir abgehauen sind. Ich habe nur das Nötigste zusammengepackt und die Rollläden heruntergelassen.

Meine Eltern in Deutschland machen sich große Sorgen. Sie wollen, dass ich zurückkomme. Aber ich finde, es ist momentan zu früh, um diese Entscheidung zu treffen. Ich hoffe, dass sich die Lage wieder bessert. Ich habe International Business studiert und in Japan meinen Master gemacht. Nun hatte ich mir überlegt, in Japan einen Job zu suchen, aber das wird jetzt bestimmt ziemlich schwer. Eigentlich hätte in wenigen Tagen die Abschlusszeremonie meines Studienjahrgangs in Tokio stattgefunden. Eben habe ich eine E-Mail der Universität bekommen. Darin steht: Die Feier findet wie geplant statt."

Protokoll: Tobias Dorfer

© sueddeutsche.de/tob/lala

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