Atomdeal mit Iran:Das Abkommen steht auf der Kippe

Donald Trump hat das Atomabkommen mit Iran als verrückt, dämlich und grauenhaft bezeichnet. Heute will er verkünden, wie es damit weitergeht. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Von Thorsten Denkler, New York

US-Präsident Donald Trump hat selten hinter dem Berg damit gehalten, was er vom Atomabkommen mit Iran hält: Er nannte es in den vergangenen Jahren unter anderem: schrecklich, eine Katastrophe, ein Desaster, dumm, verrückt, inkompetent, sehr traurig, Horror, grauenhaft und eine der dämlichsten und gefährlichsten Fehlentscheidungen aller Zeiten.

Immer wieder hat er angedroht, dass die USA aussteigen. An diesem Dienstag nun, um 20 Uhr deutscher Zeit, will er seine Entscheidung bekannt geben. Das hat er am Montag auf Twitter angekündigt. Wie er entscheiden wird, ist offen. Doch die Vorgeschichte lässt einige Rückschlüsse zu. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was ist im Atomabkommen mit Iran geregelt?

Nach 13 Jahren des Streits hat sich Iran im Jahr 2015 mit den USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien, Deutschland und der Europäischen Union auf das Abkommen geeinigt. Es soll bis auf Weiteres verhindern, dass Iran Atomwaffen baut. Genauer: Es verbietet Iran für einen Zeitraum von 15 Jahren, waffenfähiges Uran herzustellen, und Teheran verpflichtet sich, keine Atomwaffen herzustellen. Im Gegenzug befreien die Vertragspartner Iran von den schweren Sanktionen, unter denen vor allem die Menschen im Land in den Jahren zuvor gelitten haben. Der "Joint Comprehensive Plan of Action" ist nach der Zustimmung des UN-Sicherheitsrates seit Januar 2016 in Kraft.

Was muss Iran genau tun?

Vor dem Abkommen soll Iran genug hochangereichertes Uran in seinem Besitz gehabt haben, um damit acht bis zehn Atomwaffen bauen zu können. Nach der Einigung musste das Land seine Vorräte um 98 Prozent auf 300 Kilogramm verringern. Den Bestand an Zentrifugen, die für die Urananreicherung unerlässlich sind, musste Iran von 19 500 auf knapp 5000 verringern. Wollte Iran nun genug Uran für eine Atombombe anreichern, würde das bis zu einem Jahr dauern.

Allerdings muss Iran nicht vollständig auf Atomtechnik verzichten. Natürliches Uran darf auf bis zu 3,67 Prozent mit Uran vom Typ U235 angereichert werden. Das reicht für zivile Zwecke. Für eine Atombombe müsste das Uran zu 90 Prozent U235 enthalten. Die Anreicherungsgrenze fällt dem Abkommen zufolge im Jahr 2030 - sofern kein Folgeabkommen geschlossen wird.

Wie wird das überprüft?

Iran hat sich dem Kontrollregime der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) unterworfen, die zu den Vereinten Nationen gehört. Ihre Kontrolleure müssen jederzeit Zugang zu den verbliebenen Atom-Anlagen haben. Die IAEA berichtet regelmäßig über die Kontrollen. Sollte Iran gegen eine der Auflagen verstoßen, würden die Sanktionen automatisch wieder eingesetzt.

Die IAEA kann auf Wunsch auch jede Forschungsstätte oder Militärbasis in Iran besuchen. Iran darf so einen Wunsch nicht länger als 24 Tage verwehren - zu wenig Zeit, um etwa ein geheimes Anreicherungsprogramm spurlos verschwinden zu lassen.

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