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Atomausstieg: Position der Anti-AKW-Bewegung:Es geht doch viel schneller

Die Grünen halten sich immer noch für die Anti-Atom-Partei schlechthin. Trotzdem wollen sie dem schwarz-gelben Atomausstieg ihr Placet geben. Doch damit droht der Partei das Schicksal der Steuersenkungspartei FDP - und Deutschland neuer Druck der Atom-Lobby. Dabei wäre ein Ausstieg schneller möglich, sogar sofort, argumentieren Anti-AKW-Aktivisten.

Bei uns Atomkraftgegnern gibt es derzeit drei sich mischende Gefühlszustände: Da ist weiter Erschrecken über die Neuigkeiten aus Fukushima. Daneben gibt es große Freude darüber, dass sieben bis acht Atomkraftwerke in Deutschland endgültig stillgelegt werden, was kein Verdienst der Kanzlerin ist, sondern von einer unermüdlichen Protestbewegung in den letzten Monaten erzwungen wurde.

Atom-Moratorium laut Gutachten kein Grund fuer Strompreiserhoehungen

Schwarz-gelb hat den Atomausstieg beschlossen - doch für die Anti-AKW-Bewegung ist das kein Grund sich zurückzulehnen. Es geht schneller, sagen die Aktivisten.

(Foto: dapd)

Und schließlich befürchten wir, dass der langfristige Weiterbetrieb von neun Reaktoren doch wieder dazu führen kann, einen schon einmal beschlossenen Atomausstieg wieder zu kippen.

Viele Journalisten - und vor allem Journalisten - reagieren mit Unverständnis darauf, dass wir angesichts des tatsächlich beachtlichen Kurswechsels der Bundesregierung, nicht bereit sind mitzutragen, was nun beschlossen wird, sondern weiter für eine schnellere Stilllegung der Atomkraftwerke streiten.

Dabei würde niemand einem Marathonläufer beim Schild "Noch zehn Kilometer bis zum Ziel" zurufen, jetzt habe er doch alles erreicht, könne sich freuen und zur Ruhe setzen. Nein, man würde ihn anspornen, alle Kräfte zu mobilisieren, um das Ziel auch wirklich zu erreichen.

Doch die gleichen Fragen, das gleiche Unverständnis, habe ich - und viele andere mit mir - vor zehn Jahren aufgrund meiner kritischen Haltung zur rot-grünen Atompolitik schon einmal ausgelöst. Damals hieß es: Jetzt haben sogar die Stromkonzerne dem Ausstieg zugestimmt, damit ist er doch unumkehrbar.

Zweifel an der Unumkehrbarkeit

Dann folgte eine Phase von zehn Jahren, in der nur die zwei kleinsten Reaktoren stillgelegt wurden, die 17 großen aber weiterliefen: von Ausstieg keine Spur. Und es endete mit der Laufzeitverlängerung im letzten Herbst.

Jetzt heißt es wieder: Wenn diesmal sogar Union und FDP den Ausstieg beschließen, dann ist er doch jetzt unumkehrbar. Aber bis die letzten sechs Atomkraftwerke nach jetzigem Plan 2021/22 stillgelegt werden sollen, wird der Deutsche Bundestag noch mindestens dreimal neu gewählt. Wird es dann noch eine Rolle spielen, was eine Kanzlerin kurz nach Fukushima für richtig hielt? Das kann heute niemand garantieren.

Die FDP beginnt ja schon jetzt, sich vorsichtig davon abzusetzen. Und die Stromkonzerne als AKW-Betreiber haben in den letzten Tagen mehr als deutlich gemacht, dass sie nicht bereit sind, die Beschlüsse der Regierung zu akzeptieren, sondern alles dafür tun werden, dass sie ihre lukrativsten Kraftwerke noch länger betreiben können. Sie haben zehn Jahre Zeit dazu, den Beschluss zu kippen. Das nächste Projekt Laufzeitverlängerung hat bereits begonnen.