Asylsuchende in Europa Finnlands Premier überlässt sein Landhaus Flüchtlingen

  • Der finnische Premier Juha Sipilä hat angekündigt, in seinem Landhaus Vertriebene unterzubringen.
  • Der Liberale hat wiederholt mehr Solidarität mit Flüchtlingen gefordert.
  • Seine rechtspopulistischen Koaltionspartner wollen dagegen Zuwanderung strikt begrenzen.

Ankündigung im Fernsehen

Finnlands Regierungschef Juha Sipilä will sein Landhaus in der Gegend von Oulu für Flüchtlinge zur Verfügung stellen. Das mehr als 500 Kilometer nördlich von Helsinki gelegene Anwesen werde "derzeit nicht viel genutzt", sagte Sipilä im finnischen Fernsehen. "Ich hoffe, dass dies eine Art Bewegung wird, die viele andere dazu inspiriert, einen Teil der Last in dieser Unterbringungskrise für Flüchtlinge zu tragen", sagte der in der politischen Mitte angesiedelte Ministerpräsident. Er wolle zeigen, das Finnland ein multikulturelles Land sei.

Sipiläs Haus soll ab Januar bereitstehen. Etwa drei bis vier Familien könnten dort Platz finden, sagte der Ministerpräsident. Wie sich Interessenten bewerben können, wurde nicht sofort bekannt.

Forderung nach Solidarität

Der Ministerpräsident steht der Koalition seiner liberal-konservativen Zentrumspartei mit den Konservativen und mit der rechtspopulistischen Partei Die Finnen seit Mai vor. Der gelernte Ingenieur, der als Manager Millionen verdiente und streng gläubiger Christ ist, hat wiederholt mehr Solidarität mit Flüchtlingen gefordert, die vor Krieg und Not aus dem Nahen Osten, Asien und Afrika nach Europa flüchten.

Die Flüchtlingslager in Finnland sind derzeit angesichts der beispiellosen Zahlen der Ankömmlinge völlig ausgelastet. Vor allem in der nur dünn besiedelten nordwestlichen Region Finnlands, wo Sipiläs Landhaus liegt, mangelt es an Aufnahmezentren.

Einwanderungskritiker wollen Status quo beibehalten

Das etwa fünf Millionen Einwohner zählende Finnland erwartet in diesem Jahr 30 000 Asylanträge, mehr als sieben Mal so viel wie im vergangenen Jahr. Die einwanderungskritische Finnen-Partei will die Zahl der gewährten Asylanträge auf dem bisherigen Niveau von 750 bis 1050 pro Jahr einfrieren.