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Asylsuchende in Deutschland:Wie wirken sich die Wintermonate aus?

Ein Sprecher des Innenministeriums gestand am Montag zwar ein, "dass der Monat September die höchsten Flüchtlingszahlen seit sehr vielen Jahren hatte". Die Entwicklung hat sich damit gegenüber den Vormonaten noch einmal beschleunigt. "Hochrechnungen auf der Basis der aktuellen Zahlen mit dem Ziel, die Jahresgesamtprognose zu berechnen", würden jedoch nicht weiterführen, sagte der Sprecher. Man wisse beispielsweise nicht, wie sich die Wintermonate auswirken würden. Normalerweise würden die Flüchtlingszahlen bei schlechtem Wetter sinken.

Außerdem habe die Bundesregierung gerade eine umfassende Verschärfung des Asylrechts beschlossen, deren erster Teil bereits im November in Kraft treten solle. Auch davon verspreche man sich einen Rückgang der Zahlen. Darüber hinaus führe die Regierung "national, auf europäischer Ebene und international" Gespräche, um die Situation in den Herkunfts- und Transitstaaten zu verbessern und dadurch "den Flüchtlingsdruck zu mildern".

Längst nicht mehr alle Flüchtlinge lassen sich sofort registrieren

Experten verweisen jedoch darauf, dass sich die Flüchtlingsrouten geändert hätten. Zahl und Länge der Überfahrten über das Meer hätten sich zugunsten des Landwegs verringert. Deshalb dürfte auch der wetterbedingte Rückgang im kommenden Winter kleiner ausfallen als üblich. Außerdem würde die Verschärfung des Asylrechts allenfalls mittelfristig zu einem Rückgang der Flüchtlingszahlen führen.

Das Innenministerium will zwar keine neue Jahresprognose vorlegen. Es kündigte aber an, noch in dieser Woche die aktuellen "Easy"-Zahlen für September veröffentlichen zu wollen. Easy steht für das Computersystem zur "Erstverteilung von Asylbegehrenden", mit dem die Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in einer Erstaufnahmeeinrichtung erfasst werden. Erst nach dieser Registrierung können sie einen Asylantrag stellen.

In der Fragestunde des Bundestages hat Innen-Staatssekretär Günter Krings bereits eine vorläufige Zahl mitgeteilt. Demnach wurden allein von 1. bis 27. September im Easy-System 138 151 neue Flüchtlinge erfasst, insgesamt sind es 2015 damit bereits knapp 600 000. Dazu kommt allerdings noch eine erhebliche Dunkelziffer, da sich längst nicht mehr alle Flüchtlinge sofort registrieren lassen. Auch deshalb sind Prognosen derzeit so schwierig.

© SZ vom 06.10.2015/dayk

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