Asylpolitik Ein Flüchtling, gestrandet im Transitbereich

Eissa Muhamad

(Foto: Quelle: Twitter)

Nach sieben Jahren in Israel wird Eissa Muhamad ausgewiesen. Weil ihn auch sein Heimatland Niger nicht mehr haben will, sitzt er nun seit sechs Monaten auf dem Flughafen von Addis Abeba fest.

Von Bernd Dörries, Addis Abeba

Eissa Muhamad sitzt in einer Lounge von Ethiopian Airlines auf dem Flughafen von Addis Abeba, in die man eigentlich nur hineinkommt, wenn man genügend Meilen auf dem Vielflieger-Konto hat oder ein Ticket für die Business-Class. Muhamad ist seit fünf Monaten nicht mehr geflogen, er ist das Gegenteil eines Vielfliegers, wie er ansonsten in dieser Lounge anzutreffen ist. Seit November sitzt Muhamad auf dem Flughafen der äthiopischen Hauptstadt fest. Seine letzte Heimat Israel hat ihn abgeschoben, sein Geburtsland Niger nimmt ihn nicht zurück. Er darf den Transitbereich des Flughafens nicht verlassen.

"Die Mitarbeiter der Airlines sind sehr nett, sie geben mir Tee und etwas zu Essen", sagt Muhamad. "Aber ansonsten ist das Leben hier schrecklich." Schlafen kann er in einer kleinen Ecke der Flughafen-Moschee, die nichts anderes ist als ein stickiger Raum gleich neben den Toiletten. Manchmal bringen ihm Reisende ein paar Anziehsachen vorbei oder Geld, damit er sein Handy aufladen kann. Frische Luft hat er seit vielen Wochen nicht eingeatmet. "Ich werde wie ein Krimineller behandelt, dabei bin ich doch nur ein Mensch", sagt Muhamad. "Ich habe doch auch ein Recht auf ein normales Leben."

24 Jahre ist er alt, kommt aus dem Niger, dem Land, das in der Wohlstandsstatistik der Vereinten Nationen den letzten Platz belegt. Weil er in der Heimat keine Zukunft für sich sah, machte sich Muhamad mit 16 Jahren auf nach Israel. Schleuser brachten ihn durch die Wüste, durch Libyen und Ägypten, von dort ging es zu Fuß nach Israel. Sieben Jahre lebte er dort, es war eine harte Zeit, er schuftete in Hotels und einer Fabrik - aber es war doch viel besser als im Niger. Im November 2018 wurde er in Israel verhaftet, kam für mehrere Wochen ins Gefängnis, die Behörden stellten ihm dann ein Ausreisedokument aus und setzten ihn in ein Flugzeug in den Niger. Dort wurde er aber nicht ins Land gelassen, weil die Grenzbeamten an der Echtheit des israelischen Dokuments zweifeln. Auch eine Fotokopie des Originalpasses überzeugte sie nicht. So erzählt es Muhamad zumindest.

Man schickte ihn zurück nach Israel, dort wurde er nicht ins Land gelassen und zurück zum Transferort Addis Abeba geflogen. Dort musste er bleiben, weil nun auch das israelische Reisedokument abgelaufen war. Er sitzt fest, ohne Hoffnung auf eine Veränderung.

Die israelischen Behörden sagen, sie seien für Muhamad nicht zuständig. Menschenrechtsorganisationen kritisieren schon länger den Umgang des Landes mit Flüchtlingen. "Eissa Muhamads Erlebnisse sind ein trauriges Spiegelbild der illegalen Abschiebepolitik Israels. Flüchtlinge werden per Gesetz als Eindringlinge definiert. Die Behörden machen es ihnen praktisch unmöglich, einen Asylantrag zu stellen, was auch am ethnischen Nationalismus in Israel liegen dürfte", sagt die Hilfsorganisation Medico International.

Ähnliche Schicksale haben weit mehr Aufmerksamkeit bekommen als der Fall von Eissa Muhamad. Der Syrer Hassan al-Kontar wurde nach einigen Monaten in der Transitzone des Flughafens von Kuala Lumpur zu einer Berühmtheit und durfte im November nach Kanada einreisen. Für Eissa Muhamad interessiert sich kaum jemand auf Twitter, obwohl er dort immer wieder verzweifelt um Hilfe ruft. Von den vergleichbaren Schicksalen unterscheidet ihn vor allem die Hautfarbe. "Immer wieder rufe ich bei Flüchtlingsorganisationen an, bei der UN und anderen, nie geht jemand ans Telefon", sagt er.

Äthiopien hat ihm mittlerweile Asyl angeboten, dann könnte er den Flughafen verlassen. Das sei sehr großzügig, sagt Muhamad. "Aber ich spreche die Sprache nicht, und es gibt schon so viele Flüchtlinge hier, dass ich keine Arbeit finden werde, keine Zukunft habe." Vor ein paar Tagen wurde ihm im Flughafen seine Tasche gestohlen, mit fast allem, was er noch besaß. Es gehe ihm schlecht, schreibt er auf Twitter. "Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll."

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