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Asyl-Entscheidungen:Deutschland, ein Asylmagnet?

Immer weniger Asylsuchende kommen nach NRW

Seit dem Frühjahr 2016 sind es monatlich konstant etwa 15 000 Menschen, die nach Deutschland kommen.

(Foto: dpa)
  • In Deutschland wird über mehr Asylanträge entschieden als im Rest der Europäischen Union zusammengenommen.
  • Das liegt vor allem an der effektiven Arbeit des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge.
  • Die Behörde hat zuletzt auch Asylanträge von Flüchtlingen bearbeitet, die gemäß Dublin-Verfahren hätten zurückgeschickt werden müssen.

Von Dominik Fürst

Deutschland hat im ersten Halbjahr 2017 über mehr Asylanträge entschieden als alle anderen 27 EU-Staaten zusammen. In der Bundesrepublik gab es 357 625 Entscheidungen, in den anderen Ländern insgesamt nur 199 405 - das geht aus den Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat hervor, die auf deren Webseite einsehbar sind.

Dass in Deutschland über so viele Asylanträge entschieden wird, ist allerdings keine neue Entwicklung. Bereits im ersten Halbjahr 2016 standen 256 480 deutsche Asyl-Entscheidungen 218 510 Beschlüssen in den anderen Staaten gegenüber.

Während die Zahlen für Rest-Europa also in etwa konstant geblieben sind, stiegen jene für Deutschland an - um etwas mehr als 100 000 Entscheidungen. Das liegt nicht etwa daran, dass immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland drängten. Seit dem Frühjahr 2016 sind es monatlich konstant etwa 15 000 Menschen, die ins Land kommen.

Das Bamf arbeitet effektiver - und Deutschland bleibt das beliebteste Land unter Flüchtlingen

Der Anstieg der Asyl-Entscheidungen in Deutschland gegenüber dem Vorjahr ist vielmehr mit einer immer effektiveren Arbeit im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) zu erklären. Während sich bei der Behörde vor gut einem Jahr noch 579 000 offene Asylverfahren stapelten, sind es inzwischen nur noch um die 80 000. Das Bamf hat also in einem Jahr einen großen Berg an Verfahren abgetragen, der sich nun in der Statistik niederschlägt. Die anfängliche Überforderung nach dem Krisensommer 2015 legt sich nach und nach.

Hinzu kommt, dass Deutschland nach wie vor als beliebtestes Land unter Flüchtlingen gilt. Weder werden Asylsuchende mit einem Stacheldrahtzaun abgeschreckt wie in Ungarn, noch herrschen teils katastrophale Zustände wie in Italien oder Griechenland - Länder, die mit der Versorgung und Unterbringung von Tausenden Flüchtlingen schlicht überfordert sind.

Unter anderem wegen der chaotischen Zustände an den europäischen Außengrenzen hat das Bamf zuletzt auch Asylanträge von Flüchtlingen bearbeitet, die gemäß Dublin-Verfahren (Asylanträge müssen in dem Land gestellt werden, in das man eingereist ist) hätten zurückgeschickt werden müssen. Im laufenden Jahr waren es laut der Behörde 5748 Personen, denen trotz Dublin-Regelung ein Asylverfahren in Deutschland gewährt wurde.

Betrachtet man die Zahlen der in Deutschland getroffenen Asyl-Entscheidungen also im Zusammenhang, erscheinen sie weit weniger drastisch. Vor allem weil das Bamf keine halbe Million offener Verfahren mehr zu bearbeiten hat, dürfte schon die Statistik fürs erste Halbjahr 2018 wieder deutlich niedrigere Werte für Deutschland ausweisen.

© SZ.de/liv
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