Asyl-Debatte auf Grünen-Parteitag Übermacht der Kretschmann-Jünger

Es gab Applaus: Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, sprach auf dem Bundesparteitag der Grünen über Asylpolitik.

(Foto: dpa)
  • Auf dem Parteitag in Hamburg haben die Grünen über ihre Asylpolitik diskutiert. Im Zentrum der Debatte stand Winfried Kretschmann, der Ministerpräsident von Baden-Württemberg.
  • Kretschmann hatte im Bundesrat vor kurzem dem sogenannten Asylkompromiss zugestimmt. Dieser hat die Lage für viele Flüchtlinge verbessert, war aber auch mit Verschlechterungen verbunden.
  • Der Parteitag stellte sich größtenteils hinter Kretschmann.
Von Thorsten Denkler, Hamburg

Der Protest gegen Winfried Kretschmann schiebt sich zwischen den Ministerpräsidenten und die Fernsehkamera. Plakate verdecken den Blick auf den Mann, den manche in der Partei für einen Verräter an grünen Idealen halten. "Menschen aus allen Herkunftsländern sind willkommen", steht auf einem. Ein anders kritisiert den Asylkompromiss, dem Kretschmann vor einigen Wochen im Bundesrat zugestimmt hat.

Es ist der Protest der grünen Jugend, der Kretschmann auf dem Parteitag in Hamburg trifft. Kretschmann hört auf zu reden. Wartet ab. Bundesgeschäftsführer Michael Kellner bittet die Protestierer, zur Seite zu gehen, schiebt sie selbst sanft aus dem Blickfeld der Kamera. Ist das der Auftakt zur Generalabrechnung mit Kretschmann?

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Freiheit, Flüchtlinge, Waffenlieferungen - die Grünen haben sich für ihren Parteitag eine Menge Streitthemen vorgenommen. Auch die Querelen in der Führungsriege werden wohl zur Sprache kommen.   Diskutieren Sie mit uns.

Parteifreunde haben Kretschmann ganz schön zugesetzt in den Tagen nach der Entscheidung im Bundesrat. Parteilinke haben auf ihn eingedroschen, als hätte er gerade sämtliche Ideale der Grünen über Bord geworfen. Parteichefin Simone Peter vermochte kaum, ihre Wut im Zaum zu halten. "Der Bundesrat hat heute eine falsche Entscheidung getroffen", schrieb sie nach der Entscheidung auf ihrer Facebook-Seite.

Einige hätten Kretschmann offenbar gerne "geschlachtet", sagt ein Delegierter am Rednerpult.

Er kann sich früh sicher sein, dass er nicht in der Minderheit ist

Die Asyl-Debatte an diesem Samstag soll ein solches Blutbad verhindern. Simone Peter eröffnet sie, sehr bemüht, eine Art Versöhnungsangebot zu machen. Sie lobt Baden-Württemberg für die Bau-Programme, mit denen Flüchtlinge bessere Unterkünfte bekommen sollen. Sie betont, dass die Entscheidung im Bundesrat keine leichte gewesen sei. Sie habe ihre Position dazu klar gemacht. Aber: "Liebe Leute, das müssen wir als Partei, das können wir als Partei aushalten!"

Ist passiert, soll nicht wieder vorkommen - das ist ihre Botschaft. "Wir sind die Partei, die weiter für die Flüchtlinge und Zuwanderer kämpft", sagt Peter.

Kretschmann muss noch warten, bis er weiterreden kann. Aus dem Block der Delegierten aus seiner Heimat schallt rhythmischer Applaus. Viele in der Sporthalle Hamburg schließen sich an. Kretschmann schaut sich um. Er kann sich jetzt schon sicher sein, dass seine Position nicht zur Minderheit gehört.