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Assad, Erdoğan, Sisi:Trump und seine Despoten

Assad, Erdoğan, Sisi: Der US-Präsident hat ein Faible für autoritäre Führer. Im Nahen Osten hat er dadurch Verbündete gewonnen - die er aber schnell wieder verlieren könnte.

US-Präsident Donald Trump leitet ein Einreiseverbot für Muslime in die Wege, arabische Despoten scheint das bisher wenig zu tangieren. Bei Machthabern im Nahen Osten dominiert nach seiner Wahl die Freude. Denn der neue US-Präsident hat ein klares Faible für autoritäre Führer.

Für sich selbst duldet Trump keine Schwäche - umso mehr bewundert er offen gezeigte Stärke bei anderen. Und sei es nur, um sich mit ihnen zu messen. Das erklärt seine Vorliebe für Wladimir Putin (Michail Gorbatschow hingegen kritisierte er 1990 in einem Playboy-Interview als nicht "hart genug").

Es erklärt aber auch, warum Trump selbst über den syrischen Machthaber Baschar al-Assad positive Worte äußert. Assad sei "so viel härter und klüger als amerikanische Führer", sagt der US-Präsident über den syrischen Diktator in einer TV-Debatte. "In Sachen Führungsstärke bekommt er die Bestnote." Er möge ihn zwar nicht, wie er ausführt, aber "Assad tötet den IS". Hillary Clinton hatte dafür geworben, Rebellen aufzurüsten und eine Flugverbotszone über Syrien einzurichten - das bleibt Assad nun erspart. Der neue US-Präsident strebt keinen Machtwechsel in Syrien an. Assad bringt sich dafür als Trumps "natürlichen Verbündeten" gegen den Terror in Position.

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Der Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" ist bisher die einzige Konstante in Trumps Nahostpolitik. Sonst gibt er sich unberechenbar und will sich, wie er mehrfach angekündigt hat, lieber aus der Region heraushalten. Das unterstreicht die Abwesenheit der USA bei den Syrien-Gesprächen in Astana diese Woche. Auch in seiner Rede zur Amtseinführung konzentrierte sich Trump klar auf die USA, einziger Schwenk zur Außenpolitik: "Wir werden unsere Allianzen stärken und die zivilisierte Welt gegen radikal-islamischen Terrorismus vereinen, den wir vom Erdboden auslöschen werden."

Saddam Hussein "tötete Terroristen, er machte das richtig gut"

Wer also den Terror mit eiserner Hand bekämpft, bekommt dafür anerkennende Worte von Trump. Das gilt selbst für den 2006 hingerichteten irakischen Diktator Saddam Hussein. "Er war ein böser Mann, ein richtig böser Mann. Aber wissen Sie, was er gut machte? Er tötete Terroristen. Er machte das richtig gut", sagt er im Sommer bei einer Wahlkampfveranstaltung.

Das ist also die Komponente, wonach Trump seine Freunde auszuwählen scheint: Stärke, vor allem im Kampf gegen den Terror.

"Er hat die Kontrolle über Ägypten erlangt. Und zwar richtig", sagt der US-Präsident beispielsweise über Fattah al-Sisi. Der ägyptische Machthaber war der erste ausländische Staatschef, der Trump anrief und zur Wahl gratulierte. Schon im September haben sich beide in New York getroffen, die "Chemie" habe gleich gestimmt, hieß es im Anschluss. Sisi lobte Trump als starken Führer, dieser revanchierte sich mit: "Er ist ein fantastischer Typ." Zehntausende Regimekritiker hat Sisi seit seiner Machtübernahme 2013 verhaften lassen. Und rechtfertigt das damit, dass nur eine harte Hand die Sicherheit in Ägypten aufrechterhalten könne. 2016 kam es zu mehreren IS-Anschlägen. Kairo setzt darauf, dass Washington die Muslimbruderschaft zur Terrororganisation erklärt, die Kritik an Menschenrechtsverletzungen beendet und vor allem das Geld weiter fließt. 1,3 Milliarden Dollar erhielt Ägypten zuletzt an jährlicher Militärhilfe aus den USA. In einem Telefongespräch am Montag sicherte Trump Sisi Unterstützung zu.

Erdoğan: Lob für Trumps Umgang mit der Presse

Ebenso positiv scheint die Beziehung zum zunehmend autokratisch regierenden Recep Tayyip Erdoğan zu sein. Der türkische Staatschef weint Barack Obama keine Träne nach: Schließlich kritisierte dessen Regierung offen das Vorgehen nach dem Putschversuch. Umso lauter nun Erdoğans Lob für Trumps Umgang mit der Presse. Medienorganisationen wie CNN würden versuchen, die nationale Einheit zu untergraben, erläutert er kürzlich. Deshalb sei Trump im Recht, wenn er sich dagegen wehre.

Auch bei ihnen liegt das große gemeinsame Interesse in der Bekämpfung des IS. Wenig Gefallen finden dürfte allerdings, dass die USA weiterhin auf die Unterstützung der Kurden setzen. Trump selbst bekannte sich in der New York Times als "großer Fan der Kurden". Nicht ganz die Rhetorik Erdoğans, der zuletzt immer härter gegen diese vorging. Auch bei einem anderen Thema könnte der türkische Präsident enttäuscht werden: Fethullah Gülen. Der Erzfeind Erdoğans, der beschuldigt wird, hinter dem Putschversuch zu stecken, lebt in den USA. Seine Auslieferung in die Türkei bleibt auch unter Trump Sache der US-Justiz. Noch scheinen beide aber in gegenseitiger Bewunderung vereint: Der türkische Präsident schickte sogar seinen Außenminister zu Trumps Amtseinführung nach Washington.

Trumps Israel-Politik brüskiert schon jetzt Partner wie Jordanien

Der neue US-Präsident kann also einige Despoten in der Region als seine Verbündeten bezeichnen. Noch. Denn die überwiegende Freude könnte schnell drehen, dann nämlich wenn seine Nahostpolitik für diese unbequem wird. Sein Israel-Kurs ist schon jetzt für manche Anlass zur Sorge. Der US-Präsident hat als künftigen Botschafter in Israel einen offenen Befürworter des Siedlungsbaus und Gegner einer Zwei-Staaten-Lösung ausgewählt. Die US-Botschaft soll außerdem von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt werden. Damit würden die Vereinigten Staaten Jerusalem als Hauptstadt anerkennen.

Solche Vorschläge freuen zwar Israels Premier Benjamin Netanjahu, der Trump als seinen Freund bezeichnet - sie versetzen aber Palästina und die arabischen Staaten in Alarmbereitschaft. Ägypten soll bereits sorgenvoll nach Washington geschrieben haben, und besonders Jordanien ist erbost. Ein großer Teil der Einwohner dort stammt aus Palästina. Die USA brauchen Jordanien aber im Kampf gegen den IS: Das Land ist Teil in der US-geführten Anti-IS-Koalition. Im August erklärte Trump den jordanischen König Abdallah II. noch als wichtigen Verbündeten.

Dass Trump schon jetzt Partner brüskiert, zeigt, wie schnell sein unberechenbarer außenpolitischer Kurs gefährlich werden kann. Mit seiner Inszenierung als starker Führer hat er zwar vermeintliche Freunde gewonnen - diese haben aber wie er selbst vor allem ihre eigenen Interessen im Blick. Sobald diese bedroht sind, wird es mit der gegenseitigen Bewunderung schnell vorbei sein.

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