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Türkei:Gericht spricht Schriftstellerin Aslı Erdoğan frei

Asli Erdogan wurde vom Vorwurf des Terrorismus freigesprochen.

(Foto: AFP)
  • Ein türkisches Gericht spricht Aslı Erdoğan von Terrorismus-Vorwürfen frei.
  • Sie arbeitete für die prokurdischen Zeitung Özgür Gündem, die nach dem Putschversuch 2016 geschlossen wurde.
  • Erdoğan verbrachte mehr als vier Monate in einem türkischen Gefängnis und lebt inzwischen im Exil in Deutschland.

Ein Gericht in Istanbul hat die in Deutschland lebende türkische Schriftstellerin und Journalistin Aslı Erdoğan von Terrorismus-Vorwürfen freigesprochen. Das Gericht habe Erdoğan von den Vorwürfen der "Untergrabung der staatlichen Einheit" sowie der "Mitgliedschaft in einer Terrororganisation" entlastet, heißt es in dem Urteil, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Erdoğan lebt seit 2017 im Exil in Deutschland.

Ihrem Anwalt Erdal Doğan zufolge wurde sie auch vom Anklagepunkt "Hilfe für eine Terrororganisation" freigesprochen. Der Vorwurf der "Terrorpropaganda" wurde fallengelassen. "Sie hat sich sehr gefreut. Sie hofft, dass auch ihre Freunde so bald wie möglich freigesprochen werden." Andere Angeklagte wie die prominente Menschenrechtsanwältin Eren Keskin werden weiter gerichtlich verfolgt.

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Der Prozess richtete sich gegen Unterstützer und Mitarbeiter der prokurdischen Zeitung Özgür Gündem, für die auch die 52-jährige Erdoğan arbeitete. Die Zeitung war nach dem Putschversuch von 2016 wegen angeblicher Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK geschlossen worden. Präsident Recep Tayyip Erdoğan ließ damals zahlreiche Medien und Verlage per Dekret schließen.

Die Schriftstellerin wurde im August 2016 zusammen mit weiteren Journalisten der Zeitung in Istanbul festgenommen, etwa einen Monat nach dem gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli. Nach mehr als vier Monaten wurde Aslı Erdoğan wieder freigelassen, der Prozess gegen sie begann Ende Dezember 2016.

Im September 2017 erhielt sie eine Ausreisegenehmigung und lebt seither in Frankfurt am Main. In dem Monat unmittelbar nach dem Putschversuch waren in der Türkei 35.000 Menschen verhaftet und 130 Zeitungen und Medienanstalten verboten worden.

© SZ/dpa/epd/saul/cck
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