Süddeutsche Zeitung

Asien:Südkorea kündigt Abkommen mit Japan

Seoul kündigt ein militärisches Geheimabkommen mit Tokio auf. Grund für die sich rapide verschlechternden Beziehungen ist eine historische Altlast aus dem Zweiten Weltkrieg.

Südkorea wird sein militärisches Geheimdienstabkommen mit Japan kündigen. Das gab das Blaue Haus, der Sitz von Präsident Moon Jae-in, am Donnerstag bekannt. Kim You-geun, Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats von Südkorea, erklärte, Tokio habe Seoul "ohne Angabe klarer Gründe" von seiner "Weißen Liste" jener Staaten gestrichen, denen Japan vertraut und an welche rüstungsrelevante Güter verkauft werden dürfen. "Wenn Japan seine unfairen Maßnahmen zurücknimmt", so Kim, sei Seoul seinerseits bereit, Tokio entgegen zu kommen. Dazu gehöre auch, dass es die Aufkündigung des Abkommens rückgängig mache.

Die Regierung in Tokio nannte diese jüngste Eskalation im Konflikt zwischen Südkorea und Japan "extrem bedauerlich". Nachdem Japans Außenminister Taro Kono in den letzten Wochen immer schärfere Töne angeschlagen hatte und Seoul vorwarf, es zerstöre die Nachkriegsordnung, gab er sich am Donnerstag plötzlich versöhnlich. Das Abkommen ist für Tokio schon deshalb wichtig, weil der südkoreanische Geheimdienst besser informiert ist über Nordkoreas Militär als der japanische. Die Kündigung belastet auch die Allianz der zerstrittenen Nachbarn mit dem gemeinsamen Verbündeten, den USA. Aber der Schritt, für den Washington "Verständnis zeige", so Kim, sei unvermeidlich.

Nicht nur die USA, auch China hat die beiden Regierungen ermahnt, den Streit beizulegen. US-Präsident Donald Trump jammerte, der Zwist versetze Washington "in eine schwierige Lage". Unternommen hat er jedoch nichts.

Tokio hat im Juli mit Importhindernissen auf Substanzen, die Südkoreas Halbleiterindustrie braucht, einen Handelskrieg angezettelt. Seither eskaliert der Konflikt, der seinen Ursprung tief in der Vergangenheit hat. Das Oberstes Gericht Südkoreas hatte japanische Firmen im Winter 2018 verurteilt, Zwangsarbeitern aus dem Zweiten Weltkrieg oder deren Erben bescheidene Entschädigungen zu zahlen. Falls sie dies nicht tun, können ihre Ableger in Südkorea enteignet werden. Aus Sicht Tokios sind alle Forderungen mit dem Normalisierungsabkommen von 1965 beglichen. Premier Shinzo Abe rechtfertigte die Maßnahmen gegen Seoul erst mit einem "Vertrauensverlust" - wegen der Urteile, was er allerdings nicht sagte. Da die Welthandelsorganisation WTO Handelsbeschränkungen aus politischen Gründen jedoch verbietet, erklärt Tokio sie nun mit "Sicherheitsbedenken".

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4572178
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 23.08.2019
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.