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Asien:Nordkoreas Rakete vermiest China das Neujahrsfest

Das Fernsehen in Südkorea zeigt den Rakentenstart

(Foto: AP)
  • Nordkorea hat eine Rakete gestartet, die einen Beobachtungssatelliten ins All gebracht hat.
  • Mehrere UN-Resolutionen verbieten dem Norden ballistische Tests. Die Rakete ist baugleich mit einem Trägermodell für Atomsprengköpfe.
  • Der Zeitpunkt des Starts am Vorabend des chinesischen Neujahrsfest ist eine Provokation gegenüber dem mächtigen Nachbarland.

Das Staatsfernsehen in Nordkorea hatte wieder etwas zu feiern: "Bei blauem Himmel am Vorabend des Tages des leuchtenden Sterns" habe der Raketenstart stattgefunden, weitere würden folgen. Mit dem "Tag des leuchtenden Sterns" ist der Geburtstag von Kim Jong-il gemeint, des 2011 verstorbenen Vaters und Vorgängers von Diktatur Kim Jong-un. Dementsprechend heißt auch der Beobachtungssatellit, den die am Sonntagmorgen um 9 Uhr Ortszeit gestartete Rakete nach Angaben aus Pjöngjang ins All gebracht hat, Kwangmyongsong 4, deutsch: der leuchtende Stern.

Das südkoreanische Militär in Seoul bestätigte, die Rakete habe ein "Objekt" auf eine Erdumlaufbahn gebracht. Washington, Seoul und Tokio protestierten umgehend, Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye sprach von einer "untolerierbaren Provokation". Nordkoreas "Ausbau der Raketentechnik diene einzig der Sicherung des Regimes", so Park. Südkorea, Japan und die USA halten diesen sechsten Abschuß einer Langstreckenrakete seit 2006 für einen Marschflugkörper-Test. Der UN-Sicherheitsrat wird diesen Sonntag um 11 Uhr Ortszeit in New York zu einer Notsitzung zusammentreten.

Die dreistufige Unha-Rakete ist baugleich mit der militärischen Taepodong, die Atomsprengköpfe bis zu 10 000 Kilometer weit tragen können soll. Mehrere UN-Resolutionen verbieten dem Norden jegliche Atom- und ballistischen Tests.

Der Zeitpunkt des Raketenstarts stößt China vor den Kopf

Pjöngjang hatte den Test für die Zeit vom 8. bis zum 25. Februar bei den zuständigen UNO-Organisationen angemeldet, das Zeitfenster in der Nacht auf Sonntag aber nur zwei Stunden vor dem Abschuss vorverschoben. Mit dieser Startzeit hat Pjöngjang implizit demonstriert, dass es auch Peking vor den Kopf stoßen wollte. Dieser Sonntag ist der Vorabend von chinesisch Neujahr, auch Frühlingsfest genannt, dem wichtigsten Feiertag des Jahres, zu dem die Industrie und Verwaltungen für etwa eine Woche schließen. Mit dem Test vermiest Jungdiktator Kim Jong-un vielen Beamten in der chinesischen Regierung den ruhigen Feiertag bei ihren Familien.

Über Schäden durch abgebrannte Stufen oder herunterfallende Trümmer ist nichts bekannt. Die Rakete flog vom Sohae-Testgelände im Dorf Tongchang unweit der chinesischen Grenze im Nordwesten des Landes Richtung Süden über das ostchinesische Meer. Ihre erste Stufe fiel um 9:02 nordkoreanischer Zeit (9:32 in Seoul) vor der Westküste Nordkoreas ins Meer und dann weiter über die Philippinen. Sie soll ihren Satelliten zehn Minuten nach dem Abschuss auf seine Umlaufbahn gebracht haben.

© SZ.de/ewid
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