Nach Aufhebung des Todesurteils Christin Asia Bibi hat Pakistan verlassen

Die pakistanische Christin Asia Bibi bei ihrer Anhörung in einem Gefängnis in Sheikhupura im Jahr 2010.

(Foto: dpa)
  • Die Katholikin war nach einem Streit 2009 zum Tode verurteilt worden, weil Zeugen behauptet hatten, sie hätte den Propheten Mohammed beleidigt.
  • Nachdem das Oberste Gericht sie im vergangenen Herbst freigesprochen hatte, kam es zu massiven Ausschreitungen von Islamisten im Land, die ihren Tod forderten.
  • Offenbar ist sie in Kanada. Auch Deutschland hatte die Bereitschaft signalisiert, sie aufzunehmen.

Die zum Tode verurteilte und später freigesprochene Christin Asia Bibi hat Pakistan nach Regierungsangaben verlassen: Das pakistanische Außenministerium sagte der Tageszeitung Dawn, dass sich die circa 48-jährige Mutter nicht mehr im Land befinde. Bibis Anwalt Saiful Malook zufolge befindet sich die Katholikin jetzt in Kanada. Wann genau sie ausgereist ist, sagte Malook nicht.

Die fünffache Mutter war 2009 nach einem Dorfstreit um ein Glas Wasser wegen Gotteslästerung angezeigt worden. Ihr war vorgeworfen worden, sich bei einem Streit mit muslimischen Frauen in ihrem Dorf abfällig über den Propheten Mohammed geäußert zu haben. Ein Gericht verurteilte sie 2010 zum Tode. Ihr Fall hatte weltweit Empörung ausgelöst.

In einem bahnbrechenden Urteil hob das Oberste Gericht Pakistans 2018 das Blasphemie-Todesurteil gegen Bibi auf und ordnete zudem ihre sofortige Freilassung an. In Pakistan führte der Freispruch führte zu tagelangen Protesten radikal-islamischer Kräfte, die das ganze Land in einen Ausnahmezustand versetzten. Demonstranten riefen dazu auf, die verantwortlichen Richter und die Christin zu lynchen und die Regierung von Ministerpräsident Imran Khan zu stürzen. Bereits ein Jahr nach Verkündung des Todesurteils war der Gouverneur der Provinz Punjab, Salman Taseer, von seinem eigenen Bodyguard umgebracht worden, weil er sich für die Freilassung von Bibi eingesetzt hatte.

Nach dem Freispruch sah sich die Regierung gezwungen, die Lage zu beruhigen: Sie versicherte, Bibi habe Pakistan nicht verlassen; man warte eine Appellation vor dem Obersten Gericht ab, mit der gegen die Aufhebung des Todesurteils Einspruch eingelegt worden war. Die Appellation wurde später jedoch abgelehnt.

Bibis Anwalt Malook war umgehend nach dem Freispruch ausgereist und hatte Asyl in den Niederlanden beantragt. Mehrere europäische Staaten und Kanada sollen Bereitschaft signalisiert haben, Asia Bibi aufzunehmen, darunter auch Deutschland. Die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hatte die Bundesregierung im November aufgefordert, der Katholikin schnell Schutz zu bieten.

Anfang April hatte Pakistans Premierminister mitgeteilt, entgegen anderslautenden Berichten sei Bibi noch immer im Land, "weil es ein paar Komplikationen" gebe, über die er nicht in den Medien sprechen wolle. Bibi sei aber in Sicherheit und werde "innerhalb von Wochen" aus Pakistan ausreisen können, sagte Regierungschef Imran Khan dem britischen Sender BBC.

Blasphemie gilt im mehrheitlich islamischen Pakistan als Kapitalverbrechen, auf das die Todesstrafe steht. In der Praxis werden unter Blasphemie nur verächtliche Äußerungen und Taten gegen den Islam, den Koran und den Propheten Mohammed verstanden.

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