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Aserbaidschan:Zweifelhaft

Mehrere problematische Bezugsquellen für Gas sind besser als eine.

Nach den Stationen in Georgien und Armenien folgt an diesem Samstag der ungemütliche Teil von Angela Merkels Südkaukasus-Reise: Aserbaidschan. Anders als in Tiflis und Eriwan, wo es seit der Auflösung der Sowjetunion auf dem Weg zu Demokratie und Rechtsstaat Erfolge und Rückschläge gab, hat sich Baku nie wirklich auf den Weg gemacht. Der Präsident Ilham Alijew hat die Macht von seinem Vater geerbt und zeigt keine Anstalten, sie mit dem Volk zu teilen. Freie Medien gibt es nicht, Regierungskritiker werden verfolgt und verschwinden hinter Gittern. Aber Aserbaidschan hat etwas, was Georgien und Armenien nicht haben und was Europa braucht: Erdgas.

Darf man mit so einem Regime Geschäfte machen? Zwei neue Pipelines sollen Gas aus Aserbaidschan über die Türkei nach Europa liefern. Die Bundesregierung ist dafür, die Lieferquellen zu diversifizieren und damit die Abhängigkeit von Putins Russland zu reduzieren.

Bei Demokratie und Menschenrechten ist Alijew keinen Deut besser als Putin. Trotzdem sind mehrere problematische Bezugsquellen besser, als zu sehr von einer abhängig zu sein. Bis Deutschland ganz auf erneuerbare Energien umgestellt hat, werden Politiker weiter zu solchen hässlichen Kompromissen gezwungen sein. Die Energiewende ist nicht nur eine Frage des Klimas, sondern auch eine von Demokratie und Sicherheit. Die Demokratisierung Russlands und Aserbaidschans gelingt nicht von Deutschland aus. Die Energiewende schon.

© SZ vom 25.08.2018

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