Asean-Gipfel in Myanmar Einig nur im Kampf gegen den Terror

Japans Premier Shinzo Abe, Südkoreas Präsidentin Park Geun-Hye, Myanmars Präsident Thein Sein und Chinas Premier Li Keqiang beim gemeinsamen Fototermin für den Asean-Gipfel in Naypyitaw.

(Foto: REUTERS)

In kaum einem anderen Teil der Welt treffen so viele Kontraste aufeinander wie in Südostasien. Bislang ist der Asean-Gipfel deshalb kaum durch große Einigkeit aufgefallen. Die Terrormiliz Islamischer Staat könnte das ändern.

Von Arne Perras, Singapur

Der Eindruck drängt sich auf, dass die Staaten der südostasiatischen Gemeinschaft Asean nicht sehr viel miteinander verbindet. Das war schon so zum Auftakt des Gipfels in Naypyidaw, als Gastgeber Myanmar feierlich die Asean-Hymne erklingen ließ. Sie soll dem Club eigentlich ein Gefühl von Zusammengehörigkeit geben. Die wenigsten der angereisten Staats- und Regierungschefs sangen jedoch mit, es sah so aus, als würden viele Text und Melodie ihres Clubs gar nicht kennen.

Wie viel Wille zur Zusammenarbeit bringen diese Staaten also tatsächlich auf? In den vergangenen Jahren ist Asean kaum dadurch aufgefallen, dass es starke politische Signale der Einigkeit ausgesendet hätte. Daran wird dieser Gipfel nur wenig ändern.

Das ist nicht verwunderlich, wenn man die starken Kontraste betrachtet, die in dieser Region vorherrschen. Sie sind historisch über viele Jahrhunderte gewachsen. In kaum einem anderen Teil der Welt liegen so viele Religionen, Ethnien, Weltanschauungen und verschiedene politische Systeme so dicht nebeneinander wie in Südostasien.

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Verbindendes Element: Militärdiktaturen

Es gibt kleine, sehr straff regierte, reiche Staaten wie Singapur oder Brunei. Auf der anderen Seite aber auch viele konfliktreiche multi-ethnische Länder wie Thailand, Myanmar und das riesenhafte Indonesien. Sie alle haben schon einmal Bekanntschaft mit Militärdiktaturen gemacht. Jakarta festigt sich allmählich als junge Demokratie, Bangkok ist gerade zurück in die Militärherrschaft gerutscht, während in Myanmar noch gar nicht absehbar ist, ob der Weg in ein dauerhaftes freiheitliches System gelingt. Manche Staaten sind vor allem vom Buddhismus geprägt, andere vom Islam und eines, die Philippinen, auch vom Christentum. Manche sind sehr nahe an den großen Bruder im Norden, China herangerückt, wie zum Beispiel Laos. Andere, wie die Philippinen, sind von Peking abgerückt.

Hohes Wohlstandsgefälle

Was fast alle Länder mehr oder weniger gemein haben: Sie wandeln sich sehr schnell, so dass ihre Regierungen vor allem nach innen blicken, um diesen Wandel zu steuern. Dabei bleibt oft wenig Kraft oder Wille, sich um die regionale politische Integration zu kümmern. Viel stärker ist der Drang, wirtschaftlich enger zu kooperieren, sowohl innerhalb von Asean als auch mit äußeren Partnern, zum Beispiel der EU, Indien oder China. Was die Integration vor allem erschwert, ist das große Wohlstandsgefälle unter den Staaten, aber auch die Kluft zwischen arm und reich die im Innern der Länder aufbricht.

Politisch zeigt sich die Schwäche des Asean-Blocks am deutlichsten im Umgang mit dem großen Nachbarn China. Peking beansprucht einen großen Teil des südchinesischen Meeres für sich und hat so eine Reihe von Konflikten mit den Nachbarn in Südostasien provoziert, die fürchten, dass China ihre territorialen Rechte beschneidet. Doch auch bei diesem Gipfel dürfte es Asean kaum gelingen, den Chinesen gemeinsam deutliches Kontra zu geben. Es zeichnet sich vielmehr ab, dass China recht erfolgreich dabei ist, eine mögliche gemeinsame Front südlicher Nachbarn durch bilaterale Absprachen zu durchkreuzen.

Gemeinsame Linie im Kampf gegen den Terror

Asean stürzt sich deshalb in eine andere Arena, in der es einfacher ist, die Staaten auf eine halbwegs gemeinsame Linie einzuschwören. Sie wollen stärker gegen die Gefahren des Terrors vorgehen, vor allem gegen Anhänger für die Terrormiliz Islamischer Staat, die zu Dutzenden aus Südostasien in den Mittleren Osten gezogen sind - und den Kampf womöglich auch bald in ihre Heimatländer tragen wollen.

Wenn es also einen Impuls gibt, der jetzt von Naypyidaw ausgeht, so ist es der erklärte Wille, islamistische Extremisten in der Region den Kampf anzusagen. So wird der Gipfel doch noch zu einem Ergebnis kommen, Asean setzt doch noch ein Signal der Einheit, so gering die Gemeinsamkeiten auch sein mögen.