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Aschewolke über Deutschland:Die Sperre bleibt

Wegen der zahlreichen Sichtflüge füllt sich der Himmel über Deutschland langsam wieder - die Sperrung des Luftraums wurde trotzdem bis Mittwoch zwei Uhr verlängert. Nun liegen auch die Ergebnisse des Messflugs vor.

Der deutsche Luftraum bleibt gesperrt: Die Deutsche Flugsicherung verlängerte am Abend die Sperre erneut bis Mittwochmorgen zwei Uhr. Die kleinen Flughäfen in Bremen und Hamburg wurden aber für den Zeitraum zwischen 23 und acht Uhr am Mittwochmorgen freigegeben.

Flugzeug; Aschewolke; dpa

Die Sperre des deutschen Luftraums wurde noch einmal bis Mittwoch zwei Uhr verlängert.

(Foto: Foto: dpa)

Dennoch starteten viele Maschinen mit Ausnahmegenehmigungen, um im Sichtflug unter der Aschewolke hindurchzufliegen. Allerdings sind auf diese Art bei weitem nicht so viele Flüge wie gewöhnlich möglich: Mit üblicherweise 9000 Flügen pro Tag ist der deutsche Luftraum normalerweise einer der verkehrsreichsten der Welt. Sichtflüge sind nur bei Tag und gutem Wetter möglich.

Im benachbarten Ausland wurden Flugverbote, die wegen des Risikos von Triebwerksschäden durch Lavateilchen erlassen worden waren, weitgehend aufgehoben. Dennoch geht die EU-Kommission davon aus, dass die Störungen noch die ganze Woche über spürbar sein werden. 300.000 Deutsche sollen nach Aussage von Experten im Ausland festsitzen.

Der Deutsche Wetterdienst geht davon aus, dass sich die Aschewolke in der Nacht zum Mittwoch mehr nach Süddeutschland verlagern wird. Am Mittwochvormittag werde nur noch der Südteil Deutschlands unterhalb der Linie Köln-Cottbus unter der Wolke liegen, hieß es.

Inzwischen liegt auch der elfseitige Bericht des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt zu dem Forschungsflug vom Montag vor. Bei dem Flug seien Vulkanasche-Wolken in unterschiedlicher Ausdehnung und Konzentration nachgewiesen worden, zitiert die dpa aus dem Bericht. So ermittelten die Wissenschaftler auf ihrem Rundflug vom bayerischen Oberpfaffenhofen über Leipzig, Hamburg, Aachen, Stuttgart und zurück bestimmte Partikelkonzentrationen in der Luft.

Allerdings nennt der Bericht keine Vergleichswerte, die eindeutig die Risiken und Fluggefahren beschreiben könnten. So wurde vier Kilometer über Leipzig eine Konzentration der Asche in der Vulkanwolke mit 60 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. Insgesamt seien die Vulkanschichten bräunlich und enthielten größere Partikel "vergleichbar mit Sahara-Staubwolken". Die vertikale und horizontale Verteilung der vulkanischen Luftschichten schwankten, so der Bericht. Ältere vulkanische Emissionen wurden im südlichen und mittleren Deutschland gemessen.

Keine Schäden

Auch bestätigte sich, dass es keine Schäden am Flugzeug gab - weder am Triebwerk noch an den Fenstern: "Diese Inspektionen werden fortgesetzt. Silberfolien unter den Flügeln zeigten keine sichtbaren Einschläge von der Vulkan-Asche". Die Wissenschaftler des DLR mahnten in ihrem Bericht zur Vorsicht im Umgang mit bestimmten Ergebnissen des Forschungsfluges. "Die Daten hier müssen wegen möglicher systematischer Fehler mit Sorgfalt genutzt werden", heißt es am Ende des Berichts. Weder das DLR noch das ihm vorgesetzte Bundesverkehrsministerium wollten am Dienstag zu dem Bericht Stellung nehmen.

Indes kündigte die Bundesregierung an, sie wolle sich im Streit um Flugverbote nicht von der Kritik der Fluggesellschaften unter Druck setzen lassen. Die Sicherheit habe Vorrang. "Wir werden den Zuständigen deshalb nicht ins Handwerk pfuschen", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Fraktion, Peter Altmaier.

Eine Milliarde täglich

Verkehrsminister Peter Ramsauer will die Haltung der Regierung am Mittwoch in einer Regierungserklärung erläutern. Im Anschluss soll es eine einstündige Aussprache im Bundestag geben.

Anträge auf Staatshilfen liegen der Regierung nach Angaben des Wirtschaftsministeriums bisher nicht vor. Air Berlin will dies allerdings prüfen. Ein Sprecher des internationalen Luftfahrtverband IATA sagte Reuters TV, sein Verband beobachte das Thema Staatshilfen sehr genau.

Nach IATA-Schätzung verlieren die Fluggesellschaften täglich mindestens 200 Millionen Dollar Umsatz durch die Ausfälle. Den volkswirtschaftlichen Schaden durch das Flugverbot schätzt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) auf etwa eine Milliarde Euro täglich.

© sueddeutsche.de/Reuters/dpa/aho
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