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Argentinien:Zeit statt Geld

Das Land hat einen Zahlungsaufschub verdient.

Von Christoph Gurk

Mal wieder steckt Argentinien in der Krise, mehr als 300 Milliarden US-Dollar Schulden, es droht der neunte Staatsbankrott in der Geschichte des Landes. Argentinien, so scheint es, hat aus seiner Vergangenheit nichts gelernt. Schon allein aus diesem Grund könnte man dem neuen Präsidenten Alberto Fernández nun den Zahlungsaufschub verweigern, für den er auch während seines Deutschlandbesuchs am Montag geworben hat.

Einen großen Teil der Schulden hat Fernández allerdings von seinem Vorgänger übernommen, dem Unternehmer Mauricio Macri. Er war ein Liebling der Märkte, schaffte es aber nicht, die Wirtschaft wieder auf Vordermann zu bringen. Sie schrumpft seit Jahren, die Inflation steigt, ohne Aufschub kommt der Zahlungsausfall, zum Nachteil der Gläubiger und auch der Menschen im Land. Sie haben ohnehin nur wenig gesehen von all den neuen Schulden. Millionen sind auf den Konten von Hedgefonds und Finanzspekulanten versickert. All das war bekannt, hielt die Geldgeber aber nicht davon ab, weiter neue Kredite zu gewähren.

Dass er diese zurückzahlen möchte, hat Fernández immer wieder betont. Nur müsse er dafür erst die Wirtschaft ankurbeln, und diese brauche eben Zeit. Argentiniens Gläubiger sollten sie dem Land zugestehen.

© SZ vom 05.02.2020

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