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Währungskrise in Argentinien:Es geht immer noch schlimmer

Demonstration in Buenos Aires

Tausende demonstrieren in Buenos Aires am Donnerstag.

(Foto: Getty Images)
  • Bei einer Vorwahl zur Präsidentenwahl in Argentinien siegt das Herausforderer-Duo Fernández/Fernández mit einem Vorsprung von 15 Prozent.
  • Nicht einmal ein Drittel der Wähler hatten für Amtsinhaber Macri gestimmt.
  • 2015 war Präsident Macri mit dem Versprechen angetreten, die Inflation zu senken und die Armut auf null zu reduzieren. Stattdessen stieg beides an.

Von Christoph Gurk, Buenos Aires

In vielen argentinischen Banken ging gar nichts mehr. Zu viele Anleger hatten am Montag gleichzeitig versucht, ihre Pesos in Dollar umzutauschen. Die Computersysteme waren daraufhin vielerorts abgestürzt, und während die argentinische Landeswährung bis zu einem Viertel ihres Wertes einbüßte, versuchten Bankmitarbeiter, erboste Kunden zu beruhigen.

Auch wenn Argentinier durchaus wirtschaftliche Krisen und Währungsschwankungen gewohnt sind, waren die letzten Tage selbst für argentinische Verhältnisse turbulent. Für einen US-Dollar wurden zeitweise 60 argentinische Pesos aufgerufen - kaum ein anderes Thema bestimmte die öffentliche Diskussion. Hersteller und Supermarktketten kündigten höhere Preise an, viele Argentinier versuchten deshalb noch schnell, ihre Vorratskammer aufzufüllen, bevor alles teurer wird.

Dabei hatte am Sonntag alles recht harmlos begonnen: mit einer zwar obligatorischen, ansonsten aber nicht verbindlichen Vorwahl. Sie ist grundsätzlich kaum mehr als eine offizielle Wahlumfrage - etwa zwei Monate vor der eigentlichen Abstimmung über das Präsidentenamt soll die Vorwahl das Kandidatenfeld in dem südamerikanischen Land ausdünnen.

Marci hat bei den meisten Argentiniern versagt

Vor der Stimmabgabe hatten die meisten Prognosen ein knappes Rennen zwischen Amtsinhaber Mauricio Macri und den beiden Kandidaten der Peronisten vorausgesagt: Alberto Fernández und seiner Mitbewerberin für das Amt der Vizepräsidentin, Argentiniens Ex-Regierungschefin Cristina Fernández de Kirchner. Erste Hochrechnungen waren für 21 Uhr Ortszeit angekündigt, am Ende dauerte es dann aber noch einmal fast zwei Stunden länger, bis die Bombe platzte: Die Fernsehsender und Nachrichtenseiten meldeten einen haushohen Sieg von Fernández/Fernández, der Vorsprung betrug 15 Prozent. Nicht einmal ein Drittel der Wähler hatten für Macri gestimmt.

Für ihn war die Abstimmung eine herbe Niederlage und der Beweis dafür, wie sehr er bei den meisten Argentiniern mit seiner Politik versagt hat. 2015 war Macri mit dem Versprechen angetreten, die Inflation zu senken und die Armut auf null zu reduzieren. Stattdessen stieg beides an. In den vergangenen zwölf Monaten lag die Inflationsrate bei 40 Prozent, das ist einer der höchsten Werte weltweit. Im selben Zeitraum rutschten knapp drei Millionen Argentinier unter die Armutsgrenze, insgesamt gilt ein Drittel der Bevölkerung heute als arm.

Die Wirtschaft schrumpft, die Arbeitslosigkeit steigt, ein Asado mit ordentlich Rind vom Grill können sich selbst Argentinier aus der Mittelschicht nicht mehr oft leisten, ganz zu schweigen von den Hunderttausenden Menschen aus den Armenvierteln in und um Buenos Aires.

"Macri heißt Hunger" steht an den Hauswänden

Macri hat für die wirtschaftliche Misere lange seine Vorgängerin verantwortlich gemacht, jene Cristina Fernández de Kirchner, die sich jetzt für das Amt der Vizepräsidentin bewirbt. Zusammen mit ihrem Mann, Nestór Kirchner, hat sie das Land mehr als ein Jahrzehnt regiert. Anfangs feierten die Kirchners mit ihrer Politik Erfolge: Argentinien boomte in den Nullerjahren, vor allem auch wegen der weltweit hohen Preise für Weizen, Metalle und Soja. Die Einnahmen steckte das Ehepaar in Sozialprogramme und Subventionen für Strom, Gas, Wasser und die heimische Industrie. Als dann aber die Rohstoffpreise sanken, fehlte das Geld für diese Politik, die Inflation stieg und Cristina Kirchner führte Import- und Devisenbeschränkungen ein. Mitten im Zentrum von Buenos Aires entstand daraufhin ein Dollar-Schwarzmarkt, den offiziellen Inflationszahlen glaubten nicht einmal mehr regierungsnahe Ökonomen, und Firmen ächzten unter den Importbeschränkungen.

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