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Arbeitsmarkt:Einmal Hartz IV, lange Hartz IV

Der Wirtschaftsboom im vergangenen Jahr und Anfang 2011 zeigt Wirkung am Arbeitsmarkt. Rechnet man saisonale Einflüsse aus der Statistik heraus, ist die Zahl der Jobsuchenden weiter gesunken. Sorgen machen die Hartz-IV-Empfänger - ihr Anteil an den Erwerbslosen wird immer größer.

Im Ferienmonat August bewegt sich am Arbeitsmarkt normalerweise wenig. Ein kleiner Anstieg der Arbeitslosenzahlen wie nun um 5000 ist durchaus üblich. Trotzdem ist der Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit bemerkenswert. Denn rechnet man saisonale Einflüsse aus der Statistik heraus, ist die Zahl der offiziell registrierten Jobsucher sogar gesunken. Am deutschen Arbeitsmarkt geht es also weiter aufwärts, das zeigt auch die wachsende Zahl offener Stellen. Nach wie vor profitieren die erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger vom Stellenboom allerdings nur wenig.

Der Arbeitsmarkt gilt als "Spätindikator". Er reagiert auf das Auf und Ab der Konjunktur mit etwa sechs Monaten Verzögerung. Derzeit profitiert die Jobbörse vor allem vom Wirtschaftsboom im vergangenen Jahr und im ersten Quartal 2011. Inzwischen hat der Aufschwung an Dynamik verloren. Trotzdem sieht es so aus, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt im Herbst weiter verbessert.

Diese guten Nachrichten können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es weiter ein ungelöstes Problem gibt: Auch wenn die Zahl der Langzeitarbeitslosen zuletzt zurückging, ist der Anteil der Hartz-IV-Empfänger an allen Erwerbslosen in den vergangenen fünf Jahren immer größer geworden. Wer für kurze Zeit den Job verliert, der hat gute Chancen, schnell wieder einen Arbeitgeber zu finden. Wer im Hartz-IV-System steckt, sucht dagegen meist vergeblich - und landet selbst nach Aufnahme einer Arbeit oft bald wieder im staatlichen Transfersystem. Für Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, die sich derzeit als Europa- und Finanzpolitikerin versucht, sollte diese Misere schnell wieder zum Thema Nummer eins werden.