Produktivität:Schlafbefehl vom Chef

Lesezeit: 2 min

Powernap: Ein kleines Schläfchen am Arbeitsplatz

Ein paar Minuten schlummern, das kann Wunder bewirken.

(Foto: Andrey Popov/imago images/Panthermedia)

Jetzt ist Pause: Ein indisches Start-up führt den offiziellen Mittagsschlaf ein. Wird das ein Vorbild für die Arbeitswelt?

Von Kathrin Werner

Wer in einem endlosen Meeting kurz wegnickt, muss sich nicht schämen, sondern kann nach Japan zeigen. Dort schließen selbst die wichtigsten Manager in den wichtigsten Konferenzen gern kurz die Augen. Peinlich ist ihnen das nicht, ganz im Gegenteil, es ist ein Zeichen ihrer Autorität. Inemuri nennen sie die Kunst, anwesend zu sein und gleichzeitig zu schlafen.

Auch für eine andere Variante des Büroschlafs, das Nickerchen nach dem Mittagessen, muss man sich von nun an nicht mehr schämen, sondern kann nach Indien zeigen. Dort hat ein Start-up soeben allen seinen knapp 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Mittagsschlaf verordnet. Bei Wakefit, passenderweise ein Hersteller von Matratzen, haben alle zwischen 14 Uhr und 14.30 Uhr eine halbe Stunde lang frei. Für diesen Zeitraum lassen sich in den digitalen Kalender keine Termine eintragen. Die Firma schläft.

"Die Forschung zeigt, dass ein Mittagsschlaf das Gedächtnis, die Konzentration, die Kreativität und die Produktivität fördert", schrieb Wakefit-Mitgründer Chaitanya Ramalingegowda in einer Nachricht an seine Leute, die das Unternehmen bei Twitter veröffentlichte. Die Zeit der Pandemie, in der so viele Menschen von zu Hause gearbeitet haben, habe gezeigt, wie viel besser es sich arbeiten lasse, wenn man ungestört ein kleines Schläfchen einlegen kann. Laut einer amerikanischen Umfrage aus dem Mai 2020 macht ein Drittel aller Home-Office-Arbeiter ein Nickerchen während der Arbeitszeit. Wakefit will nun eine Bewegung starten, die es #RightToNap nennt - Nickerchen als eine Art Menschenrecht, das auch gilt, wenn Mitarbeiter zurück ins Büro müssen.

In der Geschichte gibt es viele Menschen, die durchaus leistungsfähig waren und gerne mal Schläfchen dazwischenschoben: Salvador Dalí, Thomas Edison, Winston Churchill, Eleanor Roosevelt, Leonardo da Vinci, Kanye West. Nickerchen im Laufe des Arbeitstags sind auch bei einigen Unternehmen erlaubt, darunter der amerikanische Eiscreme-Hersteller Ben & Jerry's. Bei Google gibt es dafür extra sogenannte "Shhh zones", Pssst-Zonen. Beim Onlinehändler Zappos in Las Vegas können sich die Mitarbeiter auf Massagesesseln in "The Tank" entspannen, einem Gemeinschaftsraum mit einem riesigen Aquarium. Facebook und andere haben "Nap Pods", die aussehen wie Kapseln eines Raumschiffs, in denen es sich gemütlich schlafen lässt. Auch das indische Start-up Wakefit will nun solche anschaffen.

Wie lang das perfekte Schläfchen dauert, nach dem man erfrischt und gestärkt weiterarbeiten kann, ist in der Forschung umstritten. Viele der nickerchenfreundlichen Unternehmen halten 20 Minuten für eine gute Länge. Manche Schläfchenliebhaber argumentieren sogar, dass man nicht einmal einschlafen müsse, allein der Versuch zähle. Studien haben jedenfalls gezeigt, dass ein kurzer Power Nap tatsächlich hilft, zum Beispiel das Risiko für Burn-out zu senken oder das Gedächtnis zu verbessern. Ein Tipp aus der Forschung, um der potenziell entstehenden Matschigkeit nach dem Nickerchen vorzubeugen, ist der sogenannte Nappuccino: Direkt vor dem Schläfchen noch ein Kaffee.

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