Arabische Monarchie Saudi-Arabiens König Abdullah ist tot

  • Saudi-Arabiens König Abdullah stirbt nach Angaben des saudischen Staatsfernsehens im Alter von 90 Jahren.
  • Nachfolger wird sein Bruder, Kronprinz Salman.
  • Abdullah hatte bereits seit längerer Zeit gesundheitliche Probleme.
  • US-Präsident Obama würdigt Abdullah als mutiges und aufrichtiges Staatsoberhaupt, Frankreichs Präsident Hollandes lobte die Vermittlerrolle des Königs im Nahen Osten.

König Abdullah stirbt, Prinz Salman folgt ihm nach

Saudi-Arabiens König Abdullah ist in der Nacht zum Freitag im Alter von 90 Jahren gestorben. Das berichtete das nationale Fernsehen. Abdullah hatte seit längerer Zeit gesundheitliche Probleme, was zu Spekulationen über die künftige Führung des ölreichen Königreichs geführt hatte. Der Monarch war vor wenigen Wochen mit einer Lungeninfektion ins Krankenhaus gebracht worden. Sein Nachfolger ist Kronprinz Salman. Der wohl 79-jährige Bruder Abdullahs hatte die Amtsgeschäfte vor einigen Wochen bereits vertretungsweise übernommen.

Reaktionen auf Tod von König Abdullah

Merkel drückt tiefes Mitgefühl aus

Kanzlerin Merkel lobt in einem Kondolenzschreiben die Politik König Abdullahs im Nahen Osten als ausgewogen und vermittelnd. Putin verabschiedet sich von einem "weisen Staatsmann". Vorsichtige Kritik kommt von einem saudischen Blogger.

Abdullah - König seit 2005

Abdullah ist einer der Söhne des Staatsgründers König Abdul Asis (Ibn Saud). Er soll nach unterschiedlichen Angaben 1923 oder 1924 zur Welt gekommen sein. Sein genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt. Der Kronprinz war somit mehr als 80 Jahre alt, als er 2005 nach dem Tod von König Fahd den Thron bestieg. Er galt innenpolitisch als vorsichtiger Reformer, unter seiner Ägide gewährte Saudi-Arabien als letztes islamisches Land Frauen das Wahlrecht, zudem dürfen diese nun unter bestimmten Bedingungen in Geschäften arbeiten. Andere Rechte wie das Fahren eines Autos blieben ihnen jedoch weiterhin verwehrt - das Land bleibt dem erzkonservativen Wahhabismus verpflichtet, mit der Nichtbeachtung von Menschenrechten zieht es immer wieder Kritik auf sich. Die Saudis schätzten an Abdullah, dass er - im Gegensatz zu anderen Mitgliedern des Königshauses - kein verschwenderisches Luxusleben führte.

Verbündeter im Kampf gegen die IS-Terrormiliz

Außerdem erntete er mit seinen verschiedenen Vermittlungsbemühungen und Initiativen viel Lob. 2002 präsentierte König Abdullah in Beirut eine Nahost-Friedensinitiative, die von allen arabischen Staaten akzeptiert wurde. Er versuchte, im Machtkampf zwischen den rivalisierenden Palästinenserfraktionen Fatah und Hamas zu vermitteln. Auch sorgte er für eine Annäherung zwischen den arabischen Golfstaaten und Iran. Von 2013 an wurde Saudi-Arabien zum wichtigen Unterstützer des Aufstandes gegen das syrische Regime von Präsident Baschar al-Assad. An der Seite der USA beteiligt sich das Land an den Luftschlägen gegen Stellungen des Islamischen Staates (IS) in Syrien. Die Anti-IS-Koalition, der neben westlichen Ländern auch zehn arabische Staaten angehören, war Anfang September auf einem Gipfeltreffen im saudischen Dschidda geschmiedet worden.

König Salman: Das ist der Nachfolger

Der neue König Salman ist einer von sieben Söhnen, die der Staatsgründer Ibn Saud mit seiner Lieblingsfrau Hassa al-Sudairi zeugte. Die "Sudairi-Sieben" hatten lange eine starke Stellung im saudischen Königshaus. Die Herrscher stammen alle aus der Gruppe der womöglich 45 Söhne des Staatsgründers Abdelasis Ibn Saud. Neuer Kronprinz wird wahrscheinlich Prinz Muqrin, der 69 Jahre alte Halbbruder von Abdullah und Salman. Er ist der jüngste noch lebende Sohn des Staatsgründers und ehemaliger Geheimdienstchef des Landes.

Wann kommen die Enkel zum Zug?

Bislang löste das Königshaus die Thronfolgefrage immer recht geräuschlos, allerdings werden die Thronfolger immer älter und weniger. Wer aus Ibn Sauds Enkelgeneration einmal die Macht übernehmen könnte, ist ungeklärt - theoretisch kommen Hunderte Prinzen in Frage. Abdullah berief schon 2007 eine Nachfolgekommission, um den Übergang zu regeln. Es lässt sich aber nicht sagen, welche Rolle sie tatsächlich spielt. Die Königsfamilie ist Berichten zufolge in ein ultrakonservatives und ein vorsichtig reformatorisches Lager gespalten.