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Antonescu-Diktatur 1940 bis 1944:Rumäniens Marschall an Hitlers Seite

Im Zweiten Weltkrieg war Rumänien eine Führer-Diktatur, kämpfte an Hitlers Seite - und ermordete Hunderttausende Juden. Ein Rückblick in Bildern.

Von Oliver Das Gupta

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Hitler, Schmidt, Antonescu, 1942 SZ Photo

Quelle: Scherl / SZ Photo

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Im Zweiten Weltkrieg war Rumänien eine Führer-Diktatur, kämpfte an Hitlers Seite - und ermordete Hunderttausende Juden. Ein Rückblick in Bildern.

Den Angaben einer Historiker-Kommission um Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel zufolge starben während der Gewaltherrschaft des Marschalls Antonsecu in Rumänien und in seinem Einflußbereich zwischen 280.000 und 380.000 rumänische und ukrainische Juden. Außerdem fanden etwa 20.000 Sinti und Roma den Tod.

Auf dieser Aufnahme begrüßt der deutsche Diktator Adolf Hitler den rumänischen Staatschef Marschall Ion Antonescu (re.) in seinem Hauptquartier "Wolfsschanze " am 13. Februar 1942.

Aufmarsch der faschistischen "Eisernen Garde" in Rumänien, 1940 Scherl / SZ Photo

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In der rumänischen Geschichte gab es immer wieder antisemitische Auswüchse und Pogrome. Volle Bürgerrechte erhielten die rumänischen Juden erst 1923. Wenige Jahre später erhielt eine antisemitische Faschisten-Bewegung größeren Zulauf, die Terrorakte verübte und später als Partei zu großem Einfluß erlangte: die "Legion des Erzengels Michael", oder: "Eiserne Garde".

Im Bild: Aufmarsch der "Eisernen Garde" 1940

Minister der neuen Bukarester Regierung in Uniform mit Faschistengruß

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Die Willkürherrschaft König Karls II. (1930-1940) mündete im Jahre 1938 in offene Diktatur des Monarchen. Per königlichem Dekret wurden alle bisherigen Parteien verboten und unter dem Namen "Front der Nationalen Wiedergeburt" eine rumänische Einheitspartei gegründet, der sämtliche Minister der Regierung angehörten (im Bild). Neben der neuen Uniform wurde der faschistische Gruß zur Pflicht gemacht. Der König bekämpfte die "Eiserne Garde" und versuchte - trotz der ideologischen Anlehnung an den Nationalsozialismus - Rumäniens Neutralität zu bewahren.

Carol von Rumänien und Jean Louis Barthou in Bukarest, 1934

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Bei einem Putschversuch der "Eisernen Garde" im September 1940 stattete der König den General Ion Antonsecu mit weitgehenden Vollmachten aus - und machte ihn faktisch zum Diktator.

Der neue Machthaber verständigte sich schnell mit dem Führer der "Eisernen Garde", Horia Sima, und nahm einige seiner Leute in die neue Regierung auf. Wenige Tage später zwang Antonescu Karl zur Abdankung zugunsten seines jungen Sohnes Michael I.

Im Bild: König Karl II. von Rumänien (li.) und der französische Außenminister Jean Louis Barthou in Bukarest 1934.

Antonescu verliest Regierungserklärung zum Beitritt zum Dreimächtspakt Scherl / SZ Photo

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Das neutrale Rumänien kettete sich unter Antonescu noch enger an Hitler-Deutschland. Im November 1940 verliest Marschall Antonescu eine Regierungserklärung zum Beitritt Rumäniens zum Dreimächtepakt. Im Bild v. li.: Der rumänische Außenminister Prinz Sturdza, General Antonescu, Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop, der japanischer Botschafter Kurusu, Italiens Botschafter Buti und der ungarische Gesandte in Berlin, Sztojay.

Kriegsministerium in Bukarest 1941 Scherl / SZ Photo

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Rumänien trat am 22. Juni 1941 auf deutscher Seite in den Krieg gegen die Sowjetunion ein. Im Bild: Das geschmückte Kriegsministerium in Bukarest zu Beginn des Russlandfeldzugs nach den ersten Siegen im August 1941 mit Porträts von Hitler, Ministerpräsident Antonescu, Italiens "Duce" 'Benito Mussolini sowie dem machtlosen jungen König Michael.

Hitler mit Antonescu

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Antonescu konnte seine innenpolitische Macht noch ausbauen: Nach einem misslungenen Putsch im Juli 1941 wurde die "Eiserne Garde" aus dem politischen Leben ausgeschaltet. Antonescu stützte sich fortan alleine auf das Militär. Wenig später ließ sich der rumänische "Führer" zum Marschall küren.

Im Bild: Hitler mit Antonescu 1941 im "Führerbau" in München mit Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel und Außenminister Joachim von Ribbentrop.

Zweiter Weltkrieg: Italienische und rumänische Truppen vor Stalingrad, 1942-1943,  | Second World War: Italian and Romanian Troops fighting in the Stalingrad area, 1942-1943 Scherl / SZ Photo

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Antonescu war von Beginn an über Hitlers Angriffspläne eingeweiht. Zwei rumänische Armeeverbände überfielen gemeinsam mit der deutschen Wehrmacht und anderen Verbündeten die Sowjetunion. Nach anfänglichen Erfolgen stellte sich im Verlauf heraus, dass die rumänischen Einheiten der Roten Armee unterlegen waren. Das Kriegsglück drehte mit der Schlacht um Stalingrad (im Bild rumänische und italienische Soldaten bei Stalingrad), die zur Jahreswende 1942/43 mit einer deutschen Niederlage endete. Im Sommer 1944 standen die Soldaten Stalins an der rumänischen Grenze.

Rumänische Juden bei der Zwangsarbeit, 1941 Scherl / SZ Photo

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Kam es schon während des Putschversuchs der "Eisernen Garde" zu antisemitischen Pogromen mit zahlreichen Todesopfern, verschlechterte sich die Lage der rumänischen Juden unter der Alleinherrschaft des Marschalls drastisch: Antonescu ließ Juden enteignen und aus dem Staatsdienst entlassen, jüdischen Kindern war der Besuch staatlicher Schulen verboten.

Der Diktator ließ alle Juden in Städte deportieren: Sie mussten Zwangsarbeit leisten und den Judenstern tragen (im Bild).

Nach Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion im Sommer 1941 ließ sein Regime Tausende in der Stadt Iasi ermorden: Rumänische Militär- und Polizeieinheiten verübten gemeinsam mit Soldaten der deutschen Wehrmacht am Ende Juni 1941 ein Pogrom. Mindestens 12.000 Juden wurden ermordet.

Jüdische Familien im Konzentrationslager Scherl / SZ Photo

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In den vormals sowjetischen Gebieten verdächtigten die rumänischen Besatzer Juden pauschal, kommunistische Parteigänger zu sein. Neben zahlreichen Morden an Juden pferchten die Rumänen jüdische Familien in Konzentrationslager, wo Epidemien grassierten. Von den knapp 200.000 Gefangenen in den rumänischen Besatzungsgebieten überlebte etwa nur jeder Vierte den Krieg.

In Rumänien selbst ließ die Judenvervolgung 1942 etwas nach. Trotzdem forderte der entfesselte Rassenhass des Antonescu-Regimes hunderttausende Tote.

Im Bild: Juden in einem KZ in Bessarabien.

König Michael I. von Rumänien Scherl / SZ Photo

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Die Judenverfolgungen in Rumänien endeten mit dem Putsch von König Michael I. (Mihai I.) im August 1944. Angesichts des drohenden sowjetischen Einmarschs ließ der Monarch Antonescu festsetzen und wechselte die Seiten.

Die Rote Armee besetzte daraufhin das Land und beließ den König mit beschränkten Befugnissen zunächst auf dem Thron. 1947 gab Michael dem Druck nach und ging ins Exil.

Deutsche Infanterie in den Karpaten, 1944 Scherl / SZ Photo

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Nach dem Putsch des Königs gegen Antonescu befahl Hitler, den Monarchen und seinen Hofstaat festzunehmen - ohne Erfolg. Der Einsatz einiger deutscher Einheiten wurde zurückgeschlagen.

Im Bild: Deutsche Infanterie in den Karpaten im Jahre 1944.

Ion Antonescu und Wilhelm Keitel, 1941 Scherl / SZ Photo

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Ion Antonescu wurde 1946 öffentlich der Prozess gemacht. Der Ex-Diktator wurde zum Tode verurteilt und anschließend erschossen.

Nach dem Krieg begann noch während der kommunistischen Ceausescu-Ära die Rehabilitierung Antonescus, die sich nach der politischen Wende auswuchs: So gedachte 1991 das Parlament in Bukarest des Marschalls mit einer Schweigeminute. 2005 nannte ihn der aktuelle Präsident Traian Basescu einen "genialen Offizier". Im Frühjahr 2012 erklärte der Sozialdemokrat Dan Sova, den Massanmord von Iasi habe es nicht gegeben, Antonescu sei es zu verdanken, dass den rumänischen Juden nichts passiert sei. Ein halbes Jahr später wurde Sova Minister.

Im Bild: Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, und der rumänische Staatschef Ion Antonescu bei den Feierlichkeiten zum Namenstag von König Michael I. von Rumänien in Bukarest 1941.

© Süddeutsche.de/odg/woja
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