Meldestelle RiasWeiterhin viele antisemitische Vorfälle in Deutschland

Lesezeit: 1 Min.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Soeren Stache/dpa

Laut der Antisemitismus-Meldestelle Rias gab es 2025 im Schnitt fast 24 antijüdische Vorfälle pro Tag – die meisten davon auf offener Straße.

SZ bei Google bevorzugen

Beleidigungen, Bedrohungen und körperliche Gewalt – in Deutschland bleibt die Zahl antisemitisch motivierter Vorfälle auf einem hohen Niveau. 2025 dokumentierten Meldestellen insgesamt 8725 Fälle, neun mehr als im Jahr zuvor. Das geht aus dem in Berlin vorgestellten Jahresbericht des Bundesverbandes der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) hervor. Demnach gab es rechnerisch knapp 24 antisemitische Vorfälle pro Tag.

„Das sind keine statistischen Ausreißer, es ist die bedrückende Realität in Deutschland“, erklärte Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. „Statt einer Beruhigung der Lage erleben wir eine Verfestigung des Antisemitismus auf Rekordniveau.“ Auch der Beauftragte der Bundesregierung gegen Antisemitismus, Felix Klein, zeigte sich besorgt: „Antisemitismus ist in Deutschland scheinbar ungebremst auf dem Vormarsch.“

Israels Krieg in Nahost wirkt sich aus

Dokumentiert worden seien vier Fälle von extremer Gewalt, wie etwa ein terroristischer Anschlag am Denkmal für die ermordeten Juden in Berlin. Dabei wurde ein Tourist mit einem Messer schwer verletzt. In 178 weiteren Fällen seien Betroffene körperlich angegriffen worden. Neben Massenzuschriften, Bedrohungen und Sachbeschädigungen ordnet Rias die meisten Fälle der Kategorie „verletzendes Verhalten“ zu, darunter Beleidigungen und Schmierereien. Rias dokumentiert auch Äußerungen und Vorkommnisse, die keine Straftaten sind.

Vielfach treffe Antisemitismus Jüdinnen und Juden an alltäglichen Orten: Mit Abstand die meisten Fälle seien auf offener Straße geschehen. Danach folge das Internet, aber auch in Universitäten, Bus und Bahn, an Gedenkorten und Synagogen habe es Fälle gegeben.

Die Zahlen sind besonders seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem folgenden israelischen Militäreinsatz im Gazastreifen hoch. Wieder habe sich gezeigt, dass die Entwicklung des Krieges im Nahen Osten vielen Menschen als Anlass dafür diene, sich antisemitisch zu äußern oder Juden anzugreifen, teilte Rias mit. Zum Vergleich: 2023 lag die Zahl der antisemitischen Vorfälle laut Bericht bei 4886, ein Jahr zuvor noch bei 2610. Rias geht von einer großen Dunkelziffer aus.

Die meisten Vorfälle wurden laut den Angaben dem antiisraelischen Aktivismus zugerechnet. An zweiter Stelle folgten Vorfälle mit rechtsextremem Hintergrund, gefolgt von links-antiimperialistischen Weltanschauungen an dritter Stelle.

Die Polizei hatte 2025 bei der sogenannten Hasskriminalität einen Anstieg erfasst. Von den rund 22 000 Fällen wurden etwa 6500 als antisemitisch eingestuft, ein Plus von fünf Prozent.

© SZ/KIR/laot - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Antisemitismus
:Jüdinnen und Juden fühlen sich in Deutschland zunehmend unsicher

Mehr antisemitische Vorfälle, weniger Unterstützung durch die Gesellschaft: Eine Umfrage unter jüdischen Gemeinden offenbart großes Unbehagen – und dass eine Mehrheit pessimistisch in die Zukunft blickt.

Von Valerie Höhne

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: