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Palästina-Kundgebung:Berlin verbietet Auftritt antisemitischer Rapper

  • Die Stadt Berlin hat den Auftritt zweier palästinensischer Rapper vor dem Brandenbugrger Tor verboten, die für antisemtische Texte bekannt sind.
  • Die Sänger sollten bei einer Palästina-Kundgebung am Mittwochabend auftreten.
  • Der israelische und der US-Botschafter hatten verlangt, die ganze Veranstaltung abzusagen.

Die Farben der Schals, die die zwei Kinder tragen, zeigen, worum es geht auf dieser Veranstaltung: schwarz, weiß, grün und rot - es sind die Farben von Palästina. Bevor die Mutter sie fotografiert, formt sie den Mittel- und den Ringfinger zu einem "Peace"-Zeichen. Ihre Kinder sollen ihr es nachmachen.

Frieden in Palästina ist ein Wunsch der Teilnehmer der Palästina-Kundgebung am Mittwochabend vor dem Brandenburger Tor. Weniger friedlich klingt es allerdings in den Liedern zweier palästinensischer Rapper, die hier ursprünglich auftreten sollten.

Dass es dazu kommt, hat die Berliner Senatsverwaltung für Inneres kurz vor dem Auftritt verhindert. Der Grund: Shadi Al-Bourini und Shadi Al-Najjar haben Lieder über Gewalt gegen Israel im Repertoir. So heißt es in einem Lied, Tel-Aviv solle "zertrampelt" werden. Außerdem verbreiten sie in ihren Musikvideos antisemitische Vorurteile.

Die Behörde habe "erst Anfang der Woche" davon erfahren, dass die beiden auftreten sollen, wie ein Sprecher der Berliner Innen-Senatsverwaltung sagte. So hatten der israelische und der US-Botschafter verlangt, die ganze Veranstaltung abzusagen. Die Behörde habe deshalb "daran gearbeitet, den Auftritt der Rapper zu verhindern", so der Sprecher.

In einer Mitteilung des Berliner Innensenators Andreas Geisel (SPD) heißt es nun: "Berlin sagt ganz klar: Keinen Fußbreit den Antisemiten und Israelhassern in unserer Stadt."

Viele Teilnehmer zeigten sich enttäuscht. Gegen Ende der zweistündigen Veranstaltung mit Musik und Reden waren Sätze zu hören wie: "Antijudaismus ist ein europäisches Problem" oder "Volker Beck schürt den Hass gegenüber den Palästinsern". Beck, der von 1994 bis 2017 für die Grünen im Deutschen Bundestag saß und auch Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe war, hatte sich für ein Auftrittsverbot der Rapper stark gemacht.

Eine Frau, die ihren Namen nicht nennen wollte, sagte der Süddeutschen Zeitung: "Ich kann nicht verstehen, warum die beiden Rapper ausgeladen wurden". Sie sei extra aus Hessen für die Versammlung angereist und hätte sich auf den Auftritt der beiden gefreut. Die 26-Jährige gibt aber auch zu: "Natürlich finden sich in den Liedern auch problematische Stellen". Dennoch sollte man Antisemitismus jetzt nicht zum Thema machen.

Die Veranstaltung wurde von einer Organisation angemeldet, die sich "Herren der Erde" nennt, wie ein Sprecher der Polizei Berlin mitteilte. Die Versammlung sei mit "harten Auflagen" versehen worden, weder Fahnen noch Puppen durften verbrannt werden. 2017 hatten Demonstranten in Berlin eine israelische Flagge verbrannt, als bekannt wurde, dass die USA ihre Botschaft nach Jerusalem verlegen werden. Um solche Vorfälle zu verhindern, gelten solche Auflagen auch für die sogenannten Al-Quds-Märsche.

An der Kundgebung vor dem Brandenburger Tor haben der Polizei zufolge ungefähr 500 Menschen teilgenommen, 130 Polizisten waren dafür abgestellt. Alles in allem sei die Veranstaltung "friedlich verlaufen", so der Polizei-Sprecher.

Von vielen wurde die Veranstaltung nicht als politisch betrachtet, sondern eher als Musikfestival. So sagte ein Teilnehmer: "Es geht hier nur ums Tanzen und Musik, eben um unsere palästinensische Kultur". Weitgehend traf das tatsächlich zu, wie die Polizei bestätigte. Vereinzelt sei die Veranstaltung aber doch politisch geworden. Manche Teilnehmer skandierten die Parole "Free Palestine". Und allein die Fahnen Palästinas seien schon ein Statement, so der Sprecher der Polizei.