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Attacke auf Synagoge in Graz:Angreifer gibt Hass auf Israel und Juden als Motiv an

Synagoge in Graz

Solidarität mit den jüdischen Mitbürgern, Solidarität mit Israel: Mahnwache vor der Synagoge in Graz nach den Angriffen.

(Foto: dpa)

In Österreich hat die Polizei den Mann festgenommen, der in den letzten Tagen die Synagoge sowie den Gemeindepräsidenten attackiert hat. Der aus Syrien stammende Verdächtige hat die Taten gestanden.

Von Johanna Bruckner und Oliver Das Gupta

Eine Reihe von Attacken auf die Synagoge in Graz und der Angriff auf den Präsidenten der dortigen Jüdischen Gemeinde stehen vor der Aufklärung. Am Montag gab die Grazer Polizei weitere Details zum festgenommenen Tatverdächtigen bekannt.

"Es handelt sich um einen 31-Jährigen, der in Syrien geboren ist und seit 2013 in Österreich lebt", sagte Polizeisprecher Fritz Grundnig zur SZ. Der Mann, von dem es Fahnungsfotos gab, ist den Angaben zufolge von einer zivilen Fahrradstreife mitten in Graz erkannt worden und anschließend mit Unterstützung weiterer Beamte in Gewahrsam genommen worden.

Der Festgenommene habe keinen Widerstand geleistet und inzwischen ein "umfassendes Geständnis abgelegt", sagte der Polizeisprecher. Demnach gab er als Motive einen "abgrundtiefen Hass auf Israel und Juden sowie Schwule und Lesben, aber auch Prostituierte" an. Reue zeige er bislang keine. Polizeiangaben zufolge lebt der Festgenommene legal in Österreich. Ob es einen konkreten Auslöser für seine Taten gab, ist noch unklar. Er soll nun psychologisch auf seine Zurechnungsfähigkeit begutachtet werden.

Der Mann wurde zunächst für sieben Delikte in der steirischen Hauptstadt verantwortlich gemacht, inzwischen sind es mehr: "Bei der Vernehmung hat er weitere Sachbeschädigungen zugegeben". Der Festgenommene habe Steine gegen Gebäude und andere Einrichtungen geworfen sowie pro-palästinensische Parolen und "Kamelsymbole" an Wände geschmiert, teilweise seien die "Krakeleien" nicht lesbar, sagte der Polizeisprecher. Die Polizei sprach von mehr als einem Dutzend Tatorten.

Erstes Ziel des Täters war die Synagoge Graz in der Nacht vom 18. auf den 19. August gewesen, der Angreifer kam am Freitagabend zurück. Mehrere Fenster des Gotteshauses wurden beschädigt und das Gemeindezentrum mit pro-palästinensischen Parolen beschmiert. Außerdem fuhr der Täter zu einem Schwulen- und Lesben-Lokal, einer katholischen Einrichtung und einem Etablissement im Rotlichtmilieu, um diese zu attackieren.

Stuhlbein statt Baseballschläger

Zum Angriff auf den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Elie Rosen, kam es am Samstag. Rosen kam demnach mit dem Auto zur Synagoge, als der Tatverdächtige noch dort war, und stellte den Syrer zur Rede. Daraufhin schlug der Mann der Polizei zufolge mit einem Stuhlbein auf das Auto ein, was Kameraaufzeichnungen belegen. Rosen blieb unverletzt. Zunächst war vermutet worden, der Angreifer habe einen Baseballschläger verwendet.

In Österreich zeigten zahlreiche Menschen ihre Solidarität und Unterstützung für Rosen und die Jüdische Gemeinde. Etwa 200 Menschen, einschließlich örtlicher Politiker, gingen am Sonntag in Graz auf die Straße. Vertreter aller Parteien, der Kirchen und der Muslime in Österreich verurteilten den Angriff.

Österreichs Innenminister Karl Nehammer ordnete eine verstärkte Überwachung aller jüdischen Einrichtungen im Land an - allerdings erst nach der Attacke auf Rosen, nicht schon nach den vorherigen Vorfällen.

Elie Rosen

Attackiert, als er im Auto saß: Elie Rosen, der Präsident der Jüdischen Gemeinde Graz

(Foto: dpa)

Nehammer schrieb bei Twitter: "Wer die Grundpfeiler unseres demokratischen Zusammenlebens angreift, muss die volle Härte des Rechtsstaats spüren." Der Sonderbeauftragte der UN-Allianz der Zivilisationen, Miguel Moratinos, verurteilte die Vorfälle in Graz in einer Stellungnahme als "verachtenswürdige Verbrechen auf die Jüdische Gemeinde und ihren Andachtsort."

Rosen selbst bedankte sich am Sonntagabend in einem Facebook-Post für die Anteilnahme und Solidarität sowie bei "all jenen, die uns schon in der Vergangenheit im Kampf gegen Antisemitismus unterstützt haben. Ich bedanke mich bei all jenen, die in unserer Gesellschaft für ein Wertebild kämpfen (...), ein Wertesystem der Gleichbehandlung von Menschen ohne Unterschied des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, der Ethnie, der sexuellen Orientierung oder Identität, der Lebens- und Liebensweisen."

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© SZ.de/dpa/jobr/odg/mcs
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