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Antiamerikanische Proteste:Mehrere Verletzte vor US-Botschaft im Jemen

Die antiamerikanischen Proteste im arabischen Raum eskalieren: Demonstranten haben die US-Botschaft in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa gestürmt. Bei den Angriffen auf das Konsulat in Libyen vermuten US-Geheimdienste einen terroristischen Hintergrund.

Nach Angriffen auf die US-Vertretungen in Libyen und Ägypten haben gewalttätige Demonstranten am Donnerstag die amerikanische Botschaft im Jemen gestürmt. Sie kletterten an den Schutzzäunen des Gebäudes hoch und ersetzen die US-Flagge durch eine Fahne mit einem Koranvers, berichteten örtliche Medien. In anderen Berichten hieß es, die die Flagge sei verbrannt worden. Im Hof der Botschaft zündeten die Angreifer geparkte Autos an.

Bei den erneuten Zusammenstößen ist ein Demonstrant getötet worden, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Nach Polizeiangaben starb der Mann durch Schüssse der Polizei, mindestens fünf weitere Menschen wurden verletzt.

Zuvor hatte es nur geheißen, die Polizei habe Warnschüsse abgegeben und Wasserwerfer eingesetzt, um die Menschenmenge zu vertreiben. Im Jemen ist der aktivste Arm des Terrornetzwerks al-Qaida beheimatet. Washington ist der wichtigste Unterstützer der jemenitischen Regierung bei deren Antiterrorkampagne.

In der ägyptischen Hauptstadt Kairo hielten die Proteste gegen den in den USA produzierten Schmäh-Film über den Propheten Mohammed auch in der Nacht zu Donnerstag an.

Bei dem Angriff auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi gehen die amerikanischen Geheimdienste Hinweisen nach, dass es sich dabei um einen gezielten Terroranschlag gehandelt habe. Der Angriff, bei dem der Botschafter und drei Mitarbeiter ums Leben kamen, sei "geplant, koordiniert, organisiert ausgeführt" worden, erklärte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, Mike Rogers. Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte dagegen, es sei noch zu früh für ein klares Urteil.

Rogers erklärte, die US-Geheimdienste hätten noch nicht ermittelt, wer hinter der Tat stecke, aber "unsere Liste wird kürzer". Sicher habe es sich nicht um eine spontane Tat gehandelt. In einem Interview mit einem amerikanischen Fernsehsender spekulierte er darüber, dass das Terrornetzwerk al-Qaida hinter der Tat stecken könnte. Das FBI schickte nach Angaben aus Behördenkreisen Teams nach Libyen, die die Ermittlungen unterstützen sollen.

Auch der genaue Ablauf des Angriffs sei noch nicht klar, sagte eine Beamtin des Außenministeriums. Nicht sicher sei etwa, wer den US-Botschafter Christopher Stevens aus dem brennenden Konsulat in Bengasi geholt hatte - und ob er bei der Ankunft in der Klinik bereits tot gewesen oder dort verstorben sei. Erst Stunden nach der Attacke sei den Amerikanern die Leiche des Diplomaten am Flughafen von Bengasi übergeben worden. Von dort wurde sie nach Deutschland ausgeflogen.

Pentagon verlegt Zerstörer vor die libysche Küste

Auslöser der Proteste ist ein amerikanischer Film, der den Propheten Mohammed verunglimpft. Das Machwerk mit dem Titel "Die Unschuld des Islam" stellt Mohammed als Lüstling und Verrückten dar. Das angeblich zweistündige Machwerk ist noch nicht veröffentlicht, doch ein 14-minütiger Zusammenschnitt ist bei Youtube zu sehen. Der Internetkonzern Google, zu dem das Videoportal gehört, sperrte den Trailer zwar in Ägypten und Libyen. Ansonsten sind die Filmausschnitte aber frei zugänglich. Google will das Video nach eigener Auskunft nicht aus dem Netz nehmen, weil es nicht gegen die eigenen Richtlinien verstoße.

Das Pentagon verlegte zwei Kriegsschiffe vor die libysche Küste. Aus US-Regierungskreisen verlautete, der Zerstörer USS Laboon habe seine Position bereits am Mittwoch erreicht. Die USS McFaul sei auf dem Weg und werde innerhalb weniger Tage ihr Ziel erreichen. Weiter hieß es, die Schiffe hätten keine konkrete Aufgabe. Sie gäben den Kommandeuren jedoch die Möglichkeit, flexibel auf jeden Einsatz zu reagieren, den der US-Präsident anordne. Informationen des Fernsehsenders CNN zufolge sind außerdem 50 US-Marines in Libyen eingetroffen.