bedeckt München 24°

Anti-Wall-Street-Proteste in den USA:Demonstranten marschieren im Reichenviertel auf

Die Anti-Wall-Street-Demonstranten verlagern ihren Protest in die Prachtstraßen der Upper East Side: Vor den Villen der Multimilliardäre fordern Hunderte die Abschaffung von Steuerprivilegien - in dem edlen Viertel wohnen Prominente wie der Medienmogul Rupert Murdoch.

Es begann in der Wall Street, doch längst haben sich die Anti-Wall-Street-Proteste auf andere Städte in den USA ausgeweitet. Und in New York sorgt die Bewegung mit einer neuen, öffentlichkeitswirksamen Aktion für Wirbel: Hunderte Demonstranten sind in den Vierteln der Superreichen aufmarschiert. Am Dienstag machten sie sich in das reiche Stadtviertel Upper East Side auf. Mehrere Dutzend Aktivisten der Gruppe "Occupy Wall Street" ("Besetzt die Wall Street") versammelten sich im Bezirk Midtown, der bei Touristen sehr beliebt ist, um die Fifth Avenue entlangzumarschieren. Die Straße liegt direkt an der Ostseite des Central Parks und an der Park Avenue.

129139608

Die Anti-Wall-Street-Demonstranten gehen weiterhin auf die Straße - diesmal allerdings auf der edlen Park Avenue.

(Foto: AFP)

Auf Schildern forderten die Anti-Wall-Street-Aktivisten vor den Häusern prominenter Milliardäre eine Abschaffung aller Steuerprivilegien und den Schutz von Sozialprogrammen. Dutzende Polizisten begleiteten den Protestzug, zu ernsteren Zwischenfällen kam es jedoch nicht. Die Upper East Side direkt am Central Park hat dem Wirtschaftsmagazin Forbes zufolge die höchste Milliardärsdichte der Welt.

"Die USA sind reich, aber der Reichtum ist dramatisch ungleich verteilt", sagte die Gewerkschafterin Angeline Echeverría. "Wir wollen Jobs, von denen man auch leben kann und die sicher sind." Die Banken hätten Milliarden Steuergelder "geschluckt". "Es ist nicht fair, dass sie sich jetzt nicht an der Bewältigung der Krise beteiligen, sondern lieber Millionenboni auszahlen. Das sind Prämien von unseren Steuergeldern."

Manches Reichendomizil wird wegen der Proteste abgesperrt

Die Polizei hatte die Eingänge einiger Häuser mit Gittern abgesperrt. Beamte in Uniform und Zivil sicherten die Wohnsitze des Medienunternehmers Rupert Murdoch, des JPMorgan-Chase-Bankchefs Jamie Dimon, des Kunstmäzens und "Tea Party"-Unterstützers David Koch und anderer Milliardäre. Sie mussten aber nicht einschreiten.

Der Protest von ein paar Dutzend Studenten ist in den vergangenen Wochen zu einem Massenprotest geworden. Unterstützt von den Gewerkschaften forderten am Mittwoch vergangener Woche mehr als 7000 Demonstranten am New Yorker Rathaus Reformen im US-Sozialsystem und eine höhere Besteuerung von Banken und Großverdienern.

In Boston waren mehr als 100 Demonstranten festgenommen worden. Von der Polizei hieß es, sie hätten Anweisungen der Ordnungshüter nicht befolgt. In New York hatte Bürgermeister Michael Bloomberg zuvor gesagt, die Polizei werde die Proteste schützen: "Es ist das Recht dieser Menschen, ihre Meinung zu sagen und zu demonstrieren. Wenn sie aber die Gesetze übertreten, werden wir natürlich entsprechend reagieren."

Demonstrationen in den USA

Ein Sturm zieht auf an der Wall Street