Anti-Terror-Maßnahmen Frankreich verschärft über Weihnachten Kontrollen

Französische Soldaten patrouillieren auf dem Pariser Weihnachtsmarkt auf der Avenue des Champs Élysées.

(Foto: REUTERS)
  • Eine Serie gewaltsamer Attacken schürt in Frankreich die Angst vor einem Terroranschlag an Weihnachten - die Regierung in Paris beruft eine Krisensitzung ein.
  • 300 zusätzliche Soldaten sollen im Rahmen des nationalen Anti-Terror-Plans zum Einsatz kommen.
  • Eines der Opfer des Angriffs von Nantes stirbt an seinen Verletzungen.
  • Die Behörden ordnen lediglich einen der Anschläge in den vergangenen Tagen dem islamistischen Spektrum zu, die beiden anderen werden psychisch gestörten Einzeltätern zugeschrieben.

Frankreich verstärkt Sicherheitsvorkehrungen

Nach drei blutigen Attacken innerhalb von drei Tagen werden die Sicherheitsvorkehrungen in Frankreich verschärft: Premierminister Manuel Valls kündigte in Paris an, dass 200 bis 300 zusätzliche Soldaten im Rahmen des nationalen Anti-Terror-Plans "Vigipirate" über Weihnachten zum Einsatz kämen. Die Regierung rief generell zur "Wachsamkeit" nach einer Attacke mit einem Lieferwagen auf einem Weihnachtsmarkt im westfranzösischen Nantes auf.

Obwohl bisher nur einer der drei Angriffe seit dem Wochenende von den Behörden dem islamistischen Spektrum zugeordnet wird - die beiden anderen werden als Einzeltaten von psychisch Gestörten angesehen -, kam Valls mit mehreren Ministern zu einer Sondersitzung zusammen. Danach teilte er mit, es dürfe keine "Vermischung" der Vorfälle geben und die Gesellschaft dürfe sich nicht von "Angst überwältigen" lassen.

"Es gibt eine terroristische Bedrohung"

Valls hob aber auch hervor: "Es gibt eine terroristische Bedrohung in Frankreich." An Bahnhöfen oder in Einkaufszentren werde es daher nun verstärkte Kontrollen geben. Der Regierungschef räumte ein, dass psychisch bereits destabilisierte Menschen durch islamistische Propaganda beeinflusst werden könnten.

Zuvor hatte er angesichts von Kritik aus dem rechten Lager bereits versichert, dass die Regierung nicht versuche, die Angriffe kleinzureden. Präsident François Hollande hob hervor, nötig seien nun keine Panik, "Wachsamkeit" und "Entschlossenheit".

François Hollande Lieferwagen rast in Weihnachtsmarkt

Frankreich

Lieferwagen rast in Weihnachtsmarkt

Dijon, Tours - und jetzt Nantes: Drei brutale Attacken schüren in Frankreich neue Angst vor islamistischen Anschlägen. Zuletzt sind 17 Fußgänger verletzt worden. Präsident Hollande ermahnt die Polizei zu "äußerster Wachsamkeit."   Von Christian Wernicke

Verletzter Marktbesucher in Nantes stirbt

Im Zentrum der westfranzösischen Stadt Nantes hatte am Montagabend ein 37-Jähriger seinen Kleinlaster in einen Glühweinstand des Weihnachtsmarktes gesteuert. Zehn Menschen wurden teils lebensgefährlich verletzt. Ein Mann ist inzwischen an seinen Verletzungen gestorben, wie Staatsanwältin Brigitte Lamy mitteilte.

Kein terroristischer Hintergrund in Nantes und Djion

Der Täter hatte sich nach der Tat mehrfach ein Messer in die Brust gerammt. Bei ihm soll es sich Innenminister Bernard Cazeneuve zufolge um einen "psychisch Gestörten" handeln. Es gebe keinerlei Hinweise auf einen politischen Hintergrund oder einen Terrorakt. In dem Fahrzeug des Täters seien wirre Aufzeichungen gefunden worden, die auf psychologische und familiäre Probleme schließen lassen.

In Dijon war erst einen Tag zuvor ein Mann mit seinem Auto gezielt in mehrere Fußgängergruppen gerast und hatte 13 Menschen verletzt. Der Staatsanwaltschaft zufolge war der festgenommene Täter, der bei seinem Angriff "Allah Akbar" (Gott ist groß) rief, seit Jahren schwer psychisch krank. Der 40-Jährige gab zwar an, dass er den französischen Staat habe attackieren wollen. Die Behörden sahen jedoch keinen terroristischen oder islamistischen Hintergrund.

Mutmaßlicher Islamist attackiert Polizei in Joué-lès-Tours

Ein islamistischer Hintergrund gilt hingegen bei der ersten Attacke am Samstag als so gut wie sicher. Dabei hatte ein 20-jähriger Konvertit mit einem Messer drei Polizisten in einem Kommissariat im zentralfranzösischen Joué-lès-Tours verletzt. Der Täter, der von der Polizei erschossen wurde, hatte das Bild einer Fahne der Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS) auf seiner Facebook-Seite eingestellt.