Anti-IS-Koalitionen Wer gegen den IS kämpft

Frankreich fliegt massive Luftangriffe gegen IS - hier ein Kampfflugzeug vor dem Einsatz.

(Foto: dpa)
  • Die Anschläge in Paris sollten einen Gegner des Islamischen Staates im Herzen treffen: Frankreich fliegt bereits seit September 2014 Luftangriffe auf IS-Stellungen.
  • Auch etliche andere Länder bekämpfen den Islamischen Staat direkt oder unterstützen seine Gegner im Irak und in Syrien mit Waffen und Munition.
  • Neben den USA und europäischen Ländern beteiligen sich auch arabische Staaten an dem Kampf gegen den IS.
Von Markus C. Schulte von Drach

Der Terroranschlag, den IS-Terroristen in Frankreich verübt haben, richtet sich gegen ein Land, das sich schon früh an Luftangriffen gegen den sogenannten Islamischen Staat beteiligt hat. Wenn dies der Grund für die Morde in Paris ist, dann sind etliche weitere Länder mögliche Ziele von Terroranschlägen - auch Deutschland.

Es ist eine breite Koalition von Staaten, die gegen den sogenannten Islamischen Staat kämpft oder den Kampf unterstützt. Dazu gehören neben den USA eine Reihe europäischer Länder, Australien und Kanada, aber auch arabische Staaten. Eine Anfang September 2014 von den USA initiierte Allianz hat das Ziel, die Gegner des IS militärisch zu unterstützen. Eine zweite Koalition entstand unter französischer Führung Mitte September, die insbesondere der irakischen Regierung im Kampf gegen die IS-Terroristen helfen will. Etliche Länder beteiligen sich an beiden Koalitionen, Ziele und Strategien überschneiden sich, so dass gemeinhin von einer einzigen Koalition gesprochen wird.

Eine weitere Koalition hat sich im September 2015 gebildet: Russland und Iran unterstützen Syrien im Kampf gegen den IS, aber auch gegen andere Oppositionsgruppen.

Deutliche Unterschiede gibt es bezüglich der Beiträge, welche die einzelnen Länder leisten - von Militärberatern, die mehr oder weniger weit enfernt von der Front eingesetzt werden, über logistische Unterstützung bis hin zu Luftangriffen. Während einige Staaten sowohl auf dem Gebiet des Irak als auch in Syrien militärisch eingreifen, beschränken sich andere darauf, den Kampf gegen IS-Terroristen in einem der Länder zu unterstützen.

Das hängt auch mit der rechtlichen Grundlage für die militärischen Eingriffe zusammen. Es gibt, anders als im Fall von Afghanistan 2001, keine Resolution des UN-Sicherheitsrat, mit dem sich die Angriffe auf den IS legitimieren ließen. Damals hatte der Sicherheitsrat die Aufstellung der Isaf-Schutztruppe genehmigt.

Die Charta der Vereinten Nationen gibt Ländern jedoch das Recht zur Selbstverteidigung und zur kollektiven Selbstverteidigung. Im Irak selbst unterstützen die ausländischen Kräfte die Regierung im Kampf gegen einen Feind innerhalb des Landes - und rechtfertigen dies mit Artikel 51 der UN-Charta. Darüber hinaus sollen US-Präsident Barack Obama zufolge die Luftangriffe neben Amerikas Verbündeten auch US-Bürger schützen.

Die syrische Regierung hat die Anti-IS-Koalition nicht um Unterstützung im Kampf gegen den IS gebeten. Die US-Regierung geht davon aus, dass der Artikel 51 trotzdem greift, da die Gewalt, die von dort gegen den Irak und andere Länder ausgeht, von der syrischen Regierung nicht gestoppt werden kann. In Russland sieht man das jedoch anders. Während russische Kampfjets und iranische Kämpfer seit September mit syrischem Einverständnis in Syrien gegen den IS vorgehen, gibt es keine Bitte aus Damaskus um Unterstützung durch die US-Amerikaner und ihre Verbündeten.

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Ob Angriffe auf IS-Stellungen auf syrischem Boden als Teil der kollektiven Selbstverteidigung des Irak und seiner Verbündeten gelten können, ist also umstritten. Allerdings gibt es auch keine offiziellen Beschwerden der Syrer gegen die Luftschläge gegen IS-Stellungen, was von manchen Politikern als stillschweigende Zustimmung gewertet wird.

Luftangriffe

Luftschläge sind die weitestgehende Beteiligung an den Kämpfen im Irak und Syrien. Im Irak greifen die USA IS-Stellungen bereits seit August 2014 aus der Luft an, seit September beteiligen sich Frankreich und Großbritannien, seit Oktober auch Australien, die Niederlande, Dänemark, Belgien und Jordanien. Im November 2014 kamen kanadische Kampfflugzeuge dazu.

In Syrien begannen die US-Amerikaner im September 2014 mit Luftangriffen, gemeinsam mit Kampfflugzeugen aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Jordanien und Katar.

Frankreich hat erst im September 2015 mit Luftangriffen auf IS-Stellungen in Syrien begonnen, ebenso die Türkei. Und Russland unterstützt seit diesem Monat die syrische Armee im Kampf gegen IS-Kämpfer, aber auch andere Gruppen von Aufständischen, aus der Luft. Iran hat Syrien im Sommer Kampfflugzeuge geliefert, die seit August eingesetzt werden - möglicherweise gesteuert von iranischen Piloten.

Waffen und Munition

Etliche Staaten unterstützen den Kampf gegen den IS logistisch. Sie liefern Waffen und Munition an die irakische Armee, kurdische Kämpfer im Nordirak und Syrien sowie einige Gruppen von Aufständischen in Syrien. An dieser Hilfe beteiligt sind vor allem die USA, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Norwegen, Griechenland, die Tschechische Republik, Ungarn, Griechenland und einige arabische Länder. Deutschland hat Tausende Sturmgewehre sowie Hunderte Panzerabwehrwaffen an kurdische Kämpfer im Nordirak geschickt.

Militärberater und Ausbilder

Auch Militärberater aus verschiedenen Staaten unterstützen die irakische Armee und die kurdischen Kämpfer. Die USA haben dafür ihre Truppen im Irak auf 3000 aufgestockt. Deutschland hat mehrere Dutzend Fallschirmjäger in den Nordirak geschickt, die dort Kurden ausbilden sollen. Weitere Länder, die Militärberater und Ausbilder im Irak einsetzen, sind zum Beispiel Großbritannien, Kanada, Italien, Spanien und Norwegen.

Bodentruppen

In Syrien unterstützen iranische Truppen die Armee im Kampf gegen den IS und andere Oppositionsgruppen. Dazu kommen schiitische Hisbollah-Milizen aus dem Libanon.

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