Anti-Atom-Bewegung:Jochen Stay ist tot

Anti-Atom-Bewegung: Engagierte sich mehr als 40 Jahre lang gegen die Atomkraft: der Aktivist Jochen Stay.

Engagierte sich mehr als 40 Jahre lang gegen die Atomkraft: der Aktivist Jochen Stay.

(Foto: Swen Pförtner/dpa)

Wenige kämpften so hartnäckig, so kompromisslos gegen die Atomenergie. Jetzt ist Jochen Stay, Gründer der Initiative "ausgestrahlt", überraschend gestorben. Er wurde nur 56 Jahre alt.

Von Michael Bauchmüller

Sein letzter Tweet galt, natürlich, der Atomkraft. Jochen Stay wehrte sich gegen die Behauptung, Atomkraft sei rund um die Uhr eine sichere Stromquelle. "Stimmt nicht", schrieb Stay am Samstag in einer Kurznachricht. Auch Frankreich sei nicht vor Stromausfällen gefeit. Buchstäblich bis zum letzten Tag hat er seinen Kampf gefochten.

Dieser Kampf hatte Anfang der 80er-Jahre begonnen. Stay war 15 Jahre alt und demonstrierte gegen die Stationierung von US-Atomwaffen. Später wandte er sich gegen die Atomkraft, an Orten wie Wackersdorf, Gorleben, Brokdorf. 2010 organisierte er eine Menschenkette zwischen den AKWs Krümmel und Brunsbüttel, die mit ihren 120 Kilometern als längste Anti-Atom-Demo in die Geschichte einging. 120.000 Menschen reihten sich ein. "Man braucht einen langen Atem", hat Stay einmal gesagt. Den hatte er.

Stay war entschlossen, hartnäckig, unnachgiebig. Damit war er auch ein Stachel im Fleisch der Grünen und jener Teile der Umweltbewegung, die sich auf große Konsense rund um Atomausstieg und Endlagerung einließen. Seine Initiative "ausgestrahlt" ließ auch nicht locker, als das Thema Atomkraft gesellschaftlich abgeräumt zu sein schien. Zuletzt widmete er sich vermehrt der Endlager-Suche, bundesweit beriet er örtliche Initiativen. Wie Widerstand geht, das wusste er.

Am Samstag ist Stay, der an einer Herzerkrankung litt, im Alter von nur 56 Jahren gestorben.

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