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Anstelle Zentrum gegen Vertreibung:Tusk schlägt Kriegs-Museum in Danzig vor

Polens neuer Premier hat einen eigenen Vorschlag gemacht, wie man den Vertreibungen von Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg gedenken kann.

Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk plädiert dafür, anstelle eines "sichtbaren Zeichens" gegen Vertreibung in Berlin ein europäisches Museum zur Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in Danzig einzurichten.

Seit wenigen Wochen polnischer Regierungschef: Donald Tusk

(Foto: Foto: Reuters)

Zu dem geplanten Berliner Dokumentationszentrum über das Schicksal der Vertriebenen sagte Tusk der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "Ich frage mich, ob es nicht besser wäre, ein weit umfassenderes Projekt zu realisieren, das an den Zweiten Weltkrieg erinnern würde." Daran sollten Deutsche, Polen und andere Nationen beteiligt sein, möglichst auch Russland und Israel.

Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg sagte am Montag in Berlin, die Errichtung eines "sichtbaren Zeichens" gegen Vertreibung sei im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Daran sei die Regierung gebunden.

Ein entsprechender Gesetzentwurf werde vorbereitet. Dies schließe aber nicht aus, dass es neben Berlin auch andere Standorte der Erinnerung geben könnte.

In einem großen Museum des Zweiten Weltkriegs würde laut Tusk "das Schicksal der Zwangsumsiedler seinen Platz in dem entscheidenden und umfassenden Kontext finden". Er sagte: "Möglicherweise können wir im Gespräch über ein solches Projekt dann auch den beschämenden und unendlichen Streit um das Gedenken an die Vertriebenen beenden."

Als Ort schlug Tusk Danzig vor, wo sich "wie in einem Brennglas alle Schrecken des Zweiten Weltkriegs" konzentrierten. "Hier hat der Krieg begonnen, hier hat er in gewissem Sinne auch aufgehört, als 1980 die Solidarnosc entstand."

Im Koalitionsvertrag von 2005 hatten sich Union und SPD darauf geeinigt, ein "sichtbares Zeichen" gegen Vertreibungen in Berlin zu setzen.

Eine von der Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, geleitete Stiftung setzt sich seit dem Jahr 2000 für den Bau eines Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin ein. In Polen hat das Projekt für große Beunruhigung gesorgt.