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Anschlagsversuch mit Rizin auf US-Senator:Ermittler haben Verdächtigen im Blick

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Ein mit dem tödlichen Gift Rizin versehener Brief an den Republikaner Roger Wicker sorgt in Washington für Aufregung. Sofort werden Erinnerungen an die Anthrax-Anschläge des Jahres 2001 mit fünf Toten wach. Die Ermittler haben schon einen Verdächtigen identifiziert. Er soll bereits öfter Briefe an Abgeordnete geschickt haben.

Nach dem gescheiterten Giftanschlag auf das Büro des republikanischen US-Senators Roger Wicker haben die Ermittlungsbehörden einen Verdächtigen identifiziert. Dies erklärte Wickers Senatskollegin Claire McCaskill im Gespräch mit Journalisten. Einen Namen nannte die Demokratin nicht. Sie sagte aber, es handele sich um eine Person, die regelmäßig Briefe an Vertreter der Legislative schicke.

Ob es einen Zusammenhang zu den Bomben von Boston gibt, ist derzeit unklar. Der Fernsehsender CNN berichtet mit Berufung auf offizielle Stellen, es gebe nach derzeitigem Stand keine Verbindung zu den Anschlägen in Boston.

Warum ausgerechnet Wicker Ziel des Anschlags war, ist ebenfalls rätselhaft. Der 61-Jährige stammt aus Mississippi. Er gehörte von 1995 bis 2007 dem Repräsentantenhaus an, seit 2007 sitzt er im Senat. Er ist Mitglied des Verteidigungsausschusses und sitzt auch in den jeweiligen Ausschüssen für Banken und Wirtschaftsfragen. Wicker ließ erklären: "Ich danke unseren Sicherheitskräften für ihre harte Arbeit und dafür, mit der sie uns im Kapitol beschützen."

Der Sicherheitschef des Senats (Sergeant at Arms of the United States Senate) sagte, der in Memphis im US-Bundesstaat Tennessee abgestempelte Brief habe von außen nicht verdächtig ausgesehen. Er habe aber keine Absenderadresse gehabt. Die Poststellen im Kapitol wurden vorerst geschlossen.

Die Nachricht, das ein Brief mit verdächtigem Pulver an einen US-Politiker verschickt wurde, löste Erinnerungen an das Jahr 2001 aus. Damals waren mehrere mit dem Milzbranderreger Anthrax versetzte Sendungen an Parlamentarier eingegangen. Fünf Menschen kamen damals ums Leben, 17 weitere überlebten eine Milzbranderkrankung. Seither werden alle Briefe an Mitglieder des Kongresses untersucht.

Aber auch Rizin hat schon öfters den Betrieb in Washington behindert. 2004 wurden Senatsbüros für mehrere Tage geschlossen, nachdem das Gift in Büros des damaligen republikanischen Mehrheitsführers Bill Frist gefunden worden war. Auch das Weiße Haus und das Verteidigungsministerium erhielten bereits Briefe mit Rizin. Rizin, das sich aus dem Samen der Rizinusstaude gewinnen lässt, ist einer der giftigsten Eiweißstoffe. Bereits Dosen von weniger als einem Milligramm können bei Menschen tödlich wirken. Vergiftungssymptome sind unter anderem Fieber, Husten und die Lähmung des Atems.

Der bisher berüchtigste Einsatz des Pflanzengifts ereignete sich 1978 in London. Der bulgarische Dissident Georgi Markow wartete an der Waterloo Brige in London auf den Bus, als ihn jemand mit der Spitze seines Regenschirms in den Unterschenkel stieß.

Die Spitze des Schirms war so präpariert, dass sie eine mit Rizin gefüllte Kugel in Markows Unterschenkel injizierte. Das Gift trat aus, Markow erkrankte und verstarb drei Tage später. Hinter dem Attentat soll der bulgarische Geheimdienst gesteckt haben. Doch der Fall ist bis heute nicht restlos aufgeklärt.

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