Anschlag in Frankreich Französische Polizei lässt Terrorverdächtigen frei

Polizisten im Einsatz am Tatort in Saint-Quentin-Fallavier.

(Foto: AFP)
  • Einer der vier Verdächtigen des Anschlags bei Lyon ist wieder frei.
  • Frankreichs Regierung geht von einem Terroranschlag aus.
  • Präsident Hollande berät sich am Samstag mit seinen Ministern.

Hauptverdächtiger verweigert weiter Aussage

Die französische Polizei hat einen der vier Verdächtigen freigelassen, die nach dem Attentat bei Lyon festgenommen worden waren. Die Pariser Staatsanwaltschaft teilte am Samstag mit, der Hauptverdächtige bleibe in Gewahrsam, verweigere aber die Aussage. Auch seine Schwester und seine Frau säßen noch im Gefängnis.

Der 36-Jährige soll am Freitag in einer Gasfabrik in Saint-Quentin-Fallavier mit seinem Auto mehrere Gaskanister gerammt und so eine Explosion ausgelöst haben, bei der jedoch niemand verletzt wurde. Der mutmaßliche Täter wurde von zwei Feuerwehrleuten überwältigt. Es handelt es sich um einen muslimischen Familienvater aus der Region. Der abgetrennte Kopf des Firmenchefs sei am Fabrikeingang hängend zurückgelassen worden, ebenso wie Banner mit arabischen Inschriften, erklärten Beamte.

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Die Hintergründe der Tat blieben unklar. Die Regierung sprach von einem Terroranschlag. Laut Staatsanwaltschaft hätten die Ermittler noch kein schlüssiges Motiv oder Verbindungen des Mannes ins Ausland aufgedeckt. Nach französischem Recht können Terrorverdächtige bis zu vier Tage festgehalten werden.

Premier Valls: "Werden mit kühlem Kopf reagieren"

Am Samstag beriet sich der französische Präsident François Hollande im Elysée-Palast über die Konsequenzen aus dem Anschlag. Teilnehmer waren die Minister für Äußeres, Inneres, Justiz und Verteidigung sowie Premierminister Manuel Valls, der seinen Südamerika-Besuch vorzeitig abgebrochen hatte.

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Valls rief die französische Gesellschaft auf, angesichts des schändlichen Attentats auf Frankreichs Werte zu setzen. Seine Regierung werde ebenfalls "mit kühlem Kopf" reagieren.

Höchste Sicherheitsstufe nach Terroranschlag in Frankreich

Bereits am Freitag hatte Hollande angekündigt, dass für Industrie-Anlagen in Frankreich die höchste Sicherheitsstufe verhängt werde. Das gelte für 158 Betriebe in der Region Rhône-Alpes, die gefährliche Materialien verarbeiteten.

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Innenminister Bernard Cazeneuve sprach im französischen Fernsehsender TF1 am Freitag von einer sehr großen Gefahr von Terroranschlägen. Der Terrorismus werde durch das Internet verbreitet. Er werde gefördert durch eine "außerordentlich entwickelte Propaganda terroristischerr Gruppen".

Nachbarn reden im Fernsehen über mutmaßlichen Attentäter

Der mutmaßliche Attentäter von Lyon war in seinem Wohnviertel als guter Nachbar bekannt. Der Mann lebte mit seiner Ehefrau und drei Kindern im Erdgeschoss eines gepflegten Wohnblocks in Saint-Priest. Er war erst vor mehreren Monaten in diese kleine Stadt im Ballungsraum von Lyon gezogen.

Nachbarn schilderten den 35-Jährigen im französischen Rundfunk Europe 1 als höflich, immer hilfsbereit, aber sehr zurückhaltend. Er ist nicht vorbestraft. Bekannt ist aber, dass er Verbindungen zu salafistischen Organisationen hatte. Die Behörden hatten ihn deshalb 2006 als potenzielle Gefahr für die Sicherheit eingestuft und eine Akte angelegt, die 2008 nicht fortgeführt wurde. Zwischen 2011 und 2014 fielen dann Verbindungen zur salafistischen Bewegung in Lyon auf.